HauptseiteMicro-Four-Thirds

Autor: Sascha Stewen
Veröffentlicht: 03. November 2012

Micro-Four-Thirds

Eine kurze Beschreibung des Systems

Der Micro-Four-Thirds-Standard (MFT oder µFT) wurde gemeinsam von Olympus und Panasonic entwickelt und bildet die Grundlage für ein kompaktes Kamerasystem, das seit 2008 in Form der Panasonic Lumix DMC-G1 auf dem Markt verfügbar ist. Olympus präsentierte das erste eigene Modell, die Olympus PEN E-P1, ein Jahr später. Ziel der Entwicklung war es, die Leistungsfähigkeit einer digitalen Spiegelreflexkamera in einem kleineren und leichteren Gehäuse sowie mit kompakteren Objektiven zu ermöglichen.

Photokina 2008 - Präsentation der Panasonic Lumix DMC-G1
Aufbau einer Spiegelreflexkamera

Bei einer Spiegelreflexkamera tritt das Licht des aufgenommenen Motivs durch das Objektiv in die Kamera ein und begegnet dort einem Spiegel, der es in zwei Richtungen umlenkt. Ein kleiner Teil wird zum Autofokusmodul geleitet, das für die Scharfstellung verantwortlich ist, der Rest fällt auf eine Mattscheibe. Über eine Prismen- oder Spiegelkonstruktion kann diese Mattscheibe durch den Sucher betrachtet werden, man spricht dabei von einem optischen Sucher oder auch OVF (Optical Viewfinder). Beim Druck auf den Auslöser klappt der Spiegel nach oben, der Verschluss öffnet sich und der Aufnahmesensor kann ein Bild aufzeichnen. Der Grund für die hohe Bildqualität einer digitalen Spiegelreflexkamera liegt in der Kombination aus einem großen Aufnahmesensor und guten Objektiven, die durch den Bajonettanschluss passend zum jeweiligen Motiv gewählt werden können.

Das spiegellose Kamerasystem

Das Micro-Four-Thirds-System kommt ohne Spiegel aus, da bei diesem der Aufnahmesensor, der die gleiche Größe hat wie die Sensoren in dem Spiegelreflexsystem Four-Thirds, die Funktionen des Suchers und des Autofokusmoduls übernimmt. Zu diesen Zwecken werden die verwendeten Sensoren auf einen niedrigen Stromverbrauch, eine geringe Wärmeentwicklung und eine hohe Ausleserate optimiert. Ohne den störenden Spiegel kann das Objektivbajonett näher an den Sensor rücken. Dies ermöglicht auf der einen Seite kleinere Objektive, auf der anderen Seite auch flachere Kameras. Bei den besonders kompakten Modellen muss das Display als Sucher verwendet werden, ähnlich wie man dies bereits von der Kompaktkamera her kennt. Alternativ können die meisten Modelle auch mit einem elektronischen Aufstecksucher ausgestattet werden. Neben diesen besonders kompakten Modellen bieten die beiden Hersteller Olympus und Panasonic auch Micro-Four-Thirds-Kameras mit einem integrierten elektronischen Sucher oder EVF (Electronic Viewfinder) an, die nur geringfügig größer sind.

Photokina 2008 - Vorstellung des µFT-Prototyps von Olympus
Alternativen

Bereits kurz nach der Vorstellung der Micro-Four-Thirds-Standards und der Präsentation des ersten Modells kündigte auch der koreanische Hersteller Samsung, der zuvor bereits in Kooperation mit Pentax digitale Spiegelreflexkameras entwickelt hat, ein entsprechendes System an, ohne allerdings ein konkrete Produkt vorzustellen. Somit wurde das japanische Unternehmen Ricoh Ende 2009 nach Panasonic und Olympus zum dritten Anbieter auf dem Markt. Mit der Ricoh GXR boten sie zudem eine weitere Innovation, da Objektiv und Sensor ein geschlossenes Modul bilden, die komplett getauscht werden können. Inzwischen gibt es allerdings auch ein erstes Wechselobjektivmodul, bei dem das Objektiv selbst getauscht werden kann. 2010 folgten dann Samsung mit dem NX-System und Sony mit dem Alpha-NEX-System, die beide auf etwas größere Sensoren als Micro-Four-Thirds setzen. 2011 schickte Nikon mit dem Nikon-1-System eine Alternative mit kleinerem Sensor ins Rennen, und 2012 schließlich präsentierten mit Pentax (K-01), Fujifilm (Finepix X-Pro1) und Canon (EOS M) die letzten großen Hersteller im Digitalkamerabereich ihre Modelle und Systeme. Alle drei setzen auf etwas größere Sensoren als Olympus und Panasonic.

Vielfalt und Kooperationen

Da das Micro-Four-Thirds-System am längsten auf dem Markt ist und zudem von zwei Herstellern weiterentwickelt wird bietet es aktuell auch die größte Palette an Kameras, Objektiven und Zubehör. Zudem haben mit den bekannten Unternehmen Sigma, Tamron, Tokina und Schneider-Kreuznach bereits weitere Hersteller zusätzliche Wechselobjektive angekündigt oder bereits auf den Markt gebracht. Grundsätzlich können innerhalb des Systems alle Objektive an allen Kameras verwendet werden. Dabei werden nicht nur Autofokus und die Blendenverstellung unterstützt, auch die elektronische Korrekturen von Verzeichnung und Vignettierung werden übertragen. Zudem identifiziert sich das Objektiv und schreibt somit seine Informationen in die Metadaten der Aufnahme (Objektivbezeichnung, Brennweite, Blende, usw.). Diese Funktionen gehören damit zum Systemstandard. Auch ein Firmwareupdate der Objektive ist herstellerübergreifend möglich, etwa wenn Fehler korrigiert oder Funktionen hinzugefügt werden. Zur Zeit nicht zum Standard gehört die Korrektur der chromatischen Aberrationen (Farbsäume). Trotz dieses gemeinsamen Standards gibt es natürlich Unterschiede in der Ausrichtung der Hersteller. So setzt Panasonic beispielsweise auf einen Bildstabilisator im Objektiv, während Olympus diesen stattdessen in das Kameragehäuse integriert. Zudem bietet Panasonic bereits seit längerer Zeit eine ausgewogene Produktpalette mit besonders kompakten Modellen ohne integrierten Sucher und größeren Kameras in verschiedenen Ausführungen und Preisbereichen mit integriertem Sucher an. Olympus hingegen konzentrierte sich Anfangs verstärkt auf besonders kompakte Systemkameras ohne Sucher und bietet seit Anfang 2012 eine erste Micro-Four-Thirds-Kamera mit integriertem Sucher an.

Aussichten

Während zu Anfang beide Hersteller bemüht waren, attraktive Kameramodelle und Objektive für Umsteiger aus dem Bereich der Kompaktkameras und Einsteiger ins Hobby Photographie anzubieten, werden mittlerweile auch anspruchsvollere Nutzer angesprochen. Das geschieht zum einen mit Kameramodellen, die mehr Einstellmöglichkeiten und Direktzugriffe auf wichtige Funktionen bieten, zum anderen auch mit Objektiven mit einem höheren Leistungspotenzial für ambitionierte Hobby- und Profiphotographen. Damit füllt das Micro-Four-Thirds-System nichtmehr nur die Lücke zwischen den Kompaktkameras und den digitalen Spiegelreflexkameras, sondern entwickelt sich auch immer mehr zu einer ernsthaften Alternative zu den aktuellen DSLR-Systemen.

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