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Autor: Sascha Stewen
Veröffentlicht: 21. November 2012

Micro-Four-Thirds für Canon-Nutzer

Tipps und Tricks für Um- und Einsteiger

Ein neues Kamerasystem ist für viele Interessierte eine andere Welt. Obwohl die Grundlagen der Photographie sich auch mit einer neuen Kamera nicht ändern, unterscheiden sich doch Begriffe und Funktionsweisen und erschweren so einen schnellen Blick über den Tellerrand. Um den Ein- oder Umstieg ins Micro-Four-Thirds-System für Canon EOS-Nutzer zu erleichtern, oder auch nur Interessierten einen einfacheren Blick auf das System zu gewähren, haben wir eine schnelle Übersicht mit vielen nützlichen Informationen zusammengestellt.

Die wichtigsten Begriffe

Neben Marketingbegriffen gibt es auch typische Abkürzungen für spezielle hersteller-, system- oder auslegungsspezifische Funktionen, die durch unterschiedliche Benennung leicht für Verwirrung sorgen können:

Canon Olympus Panasonic Bedeutung
IS IS O.I.S. Bildstabilisator
Av A A Blendenvorwahl / Zeitautomatik
Tv S S Zeitvorwahl / Blendenautomatik
One Shot AF S-AF AFS Einzelautofokus
AI Servo C-AF AFC Kontinuierlicher Autofokus

Umrechnungsfaktoren zwischen Micro-Four-Thirds und Canon EF-S und EF-M (beide APS-C)

Größenvergleich zwischen Micro-Four-Thirds und Canon APS-C

Der Sensor einer Micro-Four-Thirds-Kamera ist 17,3 mm x 13,0 mm groß und besitzt eine Diagonale von 21,6mm. Der Flächeninhalt liegt bei 224,9 mm². Der APS-C-Sensor einer Canon EF-S- (digitale Spiegelreflexkameras) oder EF-M-Kamera (spiegellose Systemkamera EOS M) ist 22,3 mm x 14,9 mm groß und besitzt eine Diagonale von 26,8mm und einen Flächeninhalt von 332,27 mm². Der Formatfaktor zwischen den beiden Sensorgrößen beträgt 1,24x, das entspricht einem Unterschied von etwa einer halben Blendenstufe bei der Bildwirkung. Um die gleiche Bildwirkung (Schärfentiefe, Bildausschnitt) zu erzielen, müsst ihr also folgende Werte errechnen:

Brennweite Canon / 1,24 = benötigte Brennweite bei µFT
Lichtstärke Canon / 1,24 = benötigte Lichtstärke bei µFT

Beispielrechnung:

50 mm / 1,24 = 40,3 entspricht in etwa 40 mm
1,8 / 1,24 = 1,45 entspricht in etwa 1,4 bzw. 1,5

Für die Bildwirkung eines 50 mm ƒ/1,8 an der Canon APS-C-Kamera benötigt ihr ein 40 mm ƒ/1,4 bzw. ƒ/1,5 an der µFT-Kamera.

Die folgende Übersicht zeigt, welche Kenndaten (Brennweite, Lichtstärke) ein Objektiv für µFT haben müsste, um die identische Bildwirkung (Schärfentiefe, Bildausschnitt) von bekannten Canon-Objektiven am APS-C-Format zu erzielen.

Canon-Objektiv Benötigtes Objektiv Verfügbares µFT-Objektive
10-22 mm ƒ/3,5-4,5 8-18 mm ƒ/3,0-3,6 Olympus 9-18 mm ƒ/4,0-5,6
15-85 mm ƒ/3,5-5,6 12-69 mm ƒ/3,0-4,8 Olympus 12-50 mm ƒ/3,5-6,3
17-55 mm ƒ/2,8 14-44 mm ƒ/2,4 Panasonic 12-35 mm ƒ/2,8
18-55 mm ƒ/3,5-5,6 14,5-44 mm ƒ/3,0-4,8 Panasonic 14-45 mm ƒ/3,5-5,6
18-135 mm ƒ/3,5-5,6 14,5-109 mm ƒ/3,0-4,8 Panasonic 14-140 mm ƒ/4,0-5,8
18-200 mm ƒ/3,5-5,6 14,5-161 mm ƒ/3,0-4,8 Olympus 14-150 mm ƒ/4,0-5,6
55-250 mm ƒ/4,0-5,6 44-202 mm ƒ/3,4-4,8 Panasonic 45-200 mm ƒ/4,0-5,6
70-200 mm ƒ/4,0 56,5-161 mm ƒ/3,4 Olympus 40-150 mm ƒ/4,0-5,6
70-300 mm ƒ/4,0-5,6 56,5-242 mm ƒ/3,4-4,8 Olympus 75-300 mm ƒ/4,8-6,7
100-400 mm ƒ/4,5-5,6 80,5-322 mm ƒ/3,6-4,8 Panasonic 100-300 mm ƒ/4,0-5,6
22 mm ƒ/2,0 18 mm ƒ/1,7 Olympus 17 mm ƒ/1,8
30 mm ƒ/1,4 24 mm ƒ/1,2 Panasonic 25 mm ƒ/1,4
50 mm ƒ/1,8 40 mm ƒ/1,5 Olympus 45 mm ƒ/1,8
85 mm ƒ/1,8 69 mm ƒ/1,5 Olympus 75 mm ƒ/1,8

Die folgende Übersicht zeigt, welche Kenndaten (Brennweite, Lichtstärke) ein Objektiv für Canon haben müsste, um die identische Bildwirkung (Schärfentiefe, Bildausschnitt) von bekannten Micro-Four-Thirds-Objektiven zu erzielen.

µFT-Objektiv entspricht an Canon APS-C
Panasonic 7-14 mm ƒ/4,0 8,5-17 mm ƒ/4,8
Olympus 9-18 mm ƒ/4,0-5,6 11-22 mm ƒ/4,8-6,7
Panasonic 12-35 mm ƒ/2,8 15-43 mm ƒ/3,4
Olympus 12-50 mm ƒ/3,5-6,3 15-62 mm ƒ/4,3-7,6
Olympus 14-42 mm ƒ/3,5-5,6 17,5-52,5 mm ƒ/4,3-6,7
Olympus 14-150 mm ƒ/4,0-5,6 17,5-186 mm ƒ/4,8-6,7
Panasonic 35-100 mm ƒ/2,8 43-124 mm ƒ/3,4
Olympus 40-150 mm ƒ/4,0-5,6 49,5-186 mm ƒ/4,8-6,7
Olympus 75-300 mm ƒ/4,8-6,7 93-372 mm ƒ/5,6-8,0
Panasonic 100-300 mm ƒ/4,0-5,6 124-372 mm ƒ/4,8-6,7
Olympus 12 mm ƒ/2,0 15 mm ƒ/2,4
Panasonic 14 mm ƒ/2,5 17,5 mm ƒ/3,0
Olympus 17 mm ƒ/1,8 21 mm ƒ/2,1
Panasonic 20 mm ƒ/1,7 25 mm ƒ/2,0
Panasonic 25 mm ƒ/1,4 31 mm ƒ/1,7
Olympus 45 mm ƒ/1,8 56 mm ƒ/2,1
Olympus 75 mm ƒ/1,8 93 mm ƒ/2,1

Umrechnungsfaktoren zwischen Micro-Four-Thirds und Canon EF (Kleinbild-Vollformat)

Größenvergleich zwischen Micro-Four-Thirds und Kleinbildvollformat

Der Sensor einer Micro-Four-Thirds-Kamera ist 17,3 mm x 13,0 mm groß und besitzt eine Diagonale von 21,6 mm. Der Flächeninhalt liegt bei 224,9 mm². Der Kleinbild-Vollformat-Sensor einer Canon EF-Kamera ist 36,0 mm x 24,0 mm groß und besitzt eine Diagonale von 43,3 mm und einen Flächeninhalt von 864,00 mm². Der Formatfaktor zwischen den beiden Sensorgrößen beträgt 2,00x, das entspricht einem Unterschied von etwa zwei Blendenstufen bei der Bildwirkung. Um die gleiche Bildwirkung (Schärfentiefe, Bildausschnitt) zu erzielen, müsst ihr also folgende Werte errechnen:

Brennweite Canon / 2,00 = benötigte Brennweite bei µFT
Lichtstärke Canon / 2,00 = benötigte Lichtstärke bei µFT

Beispielrechnung:

50 mm / 2,00 = 25 mm
1,8 / 2,00 = 0,9

Für die Bildwirkung eines 50 mm ƒ/1,8 an der Canon APS-C-Kamera benötigt ihr ein 25 mm ƒ/0,9 an der µFT-Kamera.

Die folgende Übersicht zeigt, welche Kenndaten (Brennweite, Lichtstärke) ein Objektiv für µFT haben müsste, um die identische Bildwirkung (Schärfentiefe, Bildausschnitt) von bekannten Canon-Objektiven am Kleinbild-Format zu erzielen.

Canon-Objektiv Benötigtes Objektiv Verfügbares µFT-Objektive
16-35 mm ƒ/2,8 8-17,5 mm ƒ/1,4 Panasonic 7-14 mm ƒ/4,0
17-40 mm ƒ/4,0 8,5-20 mm ƒ/2,0 Olympus 9-18 mm ƒ/4,0-5,6
24-70 mm ƒ/2,8 12-35 mm ƒ/1,4 Panasonic 12-35 mm ƒ/2,8
24-105 mm ƒ/4,0 12-52,5 mm ƒ/2,0 Olympus 12-50 mm ƒ/3,5-6,3
70-200 mm ƒ/2,8 35-100 mm ƒ/1,4 Panasonic 35-100 mm ƒ/2,8
100-400 mm ƒ/4,5-5,6 50-200 mm ƒ/2,2-2,8 Panasonic 45-200 mm ƒ/4,0-5,6
24 mm ƒ/1,4 12 mm ƒ/0,7 Olympus 12 mm ƒ/2,0
35 mm ƒ/2,0 17,5 mm ƒ/1,0 Olympus 17 mm ƒ/1,8
50 mm ƒ/1,4 25 mm ƒ/0,7 Panasonic 25 mm ƒ/1,4
85 mm ƒ/1,2 42,5 mm ƒ/0,6 Panasonic 42,5 mm ƒ/1,2 (geplant)
135 mm ƒ/2,0 67,5 mm ƒ/1,0 Olympus 75 mm ƒ/1,8
300 mm ƒ/2,8 150 mm ƒ/1,4 Panasonic 150 mm ƒ/2,8 (geplant)

Die folgende Übersicht zeigt, welche Kenndaten (Brennweite, Lichtstärke) ein Objektiv für Canon an Kleinbild haben müsste, um die identische Bildwirkung (Schärfentiefe, Bildausschnitt) von bekannten Micro-Four-Thirds-Objektiven zu erzielen.

µFT-Objektiv entspricht an Canon KB
Panasonic 7-14 mm ƒ/4,0 14-28 mm ƒ/8,0
Olympus 9-18 mm ƒ/4,0-5,6 18-36 mm ƒ/8,0-11,0
Panasonic 12-35 mm ƒ/2,8 24-70 mm ƒ/5,6
Olympus 12-50 mm ƒ/3,5-6,3 24-100 mm ƒ/7,1-13,0
Olympus 14-42 mm ƒ/3,5-5,6 28-84 mm ƒ/7,1-11,0
Olympus 14-150 mm ƒ/4,0-5,6 28-300 mm ƒ/8,0-11,0
Panasonic 35-100 mm ƒ/2,8 70-200 mm ƒ/5,6
Olympus 40-150 mm ƒ/4,0-5,6 80-300 mm ƒ/8,0-11,0
Olympus 75-300 mm ƒ/4,8-6,7 150-600 mm ƒ/9,5-13,0
Panasonic 100-300 mm ƒ/4,0-5,6 200-600 mm ƒ/8,0-11,0
Olympus 12 mm ƒ/2,0 24 mm ƒ/4,0
Panasonic 14 mm ƒ/2,5 28 mm ƒ/5,0
Olympus 17 mm ƒ/1,8 34 mm ƒ/3,5
Panasonic 20 mm ƒ/1,7 40 mm ƒ/3,4
Panasonic 25 mm ƒ/1,4 50 mm ƒ/2,8
Olympus 45 mm ƒ/1,8 90 mm ƒ/3,5
Olympus 75 mm ƒ/1,8 150 mm ƒ/3,5

Welche Objektive kann ich benutzen?

Wenn du Objektive ohne Adapter nutzen möchtest, dann solltest du darauf achten, dass es sich um µFT-Objektive handelt. Bei Olympus tragen diese die Bezeichnung M.Zuiko, bei Panasonic heißen sie Lumix G oder Leica DG. Four-Thirds-Objektive (FT-Objektive, bei Olympus Zuiko, bei Panasonic Lumix L oder Leica DL) können mit einem Adapter verwendet werden, der von beiden Herstellern angeboten wird und jeweils an allen Kameras und Objektiv gleichermaßen funktioniert. Der Adapter überträgt auch die elektronischen Signale und ermöglicht so die automatische Blendensteuerung und den Autofokus, bei dem allerdings mit Geschwindigkeitseinbußen gegenüber der Nutzung an einer DSLR gerechnet werden muss. Es muss also nicht zwingend ein Olympus-Adapter für Olympus-Objektive oder -Kameras verwendet werden. Eine Besonderheit des Olympus MMF-3 gegenüber den anderen Adaptern ist die Abdichtung, die in Verbindung mit der Olympus OM-D E-M5 oder der Panasonic Lumix DMC-GH3 und entsprechenden Objektiven eine komplett staub- und spritzwassergeschützte Kombination ermöglicht.
Canon-Objektive können ebenfalls per Adapter an µFT-Kameras genutzt werden. Dabei ergeben sich jedoch einige Einschränkungen. So kann bei den günstigen, rein mechanischen Adaptern die elektronisch kontrollierte Blende der Objektive nicht verstellt werden. Auch wird der Autofokus oder der integrierte Bildstabilisator nicht unterstützt. Aus diesem Grund lohnt sich eine Nutzung in der Regel nicht. Inzwischen werden auch elektronische Adapter angeboten oder in Aussicht gestellt, die einen Teil dieser Funktionen übernehmen können. Aufgrund des kurzen Auflagemaßes können auch Objektive vieler anderer Spiegelreflex- und Messsuchersysteme mit den zuvor genannten Einschränkungen adaptiert werden. Besonders beliebt sind dabei alte, manuelle Objektive von nicht mehr fortgeführten Systemen, wie etwa Minolta MC/MD, Canon FD oder Olympus OM. Dabei liefern allerdings nur hochwertige Objektive auch gute Leistungen, die mit modernen Konstruktionen qualitativ mithalten können. Nichtsdestotrotz sind solche Adaptierungen beliebt, besonders wenn der Spaß im Vordergrund stehen soll.

Was ist sonst noch kompatibel?

Der Systemstandard Micro-Four-Thirds beschränkt sich auf das Objektivbajonett und das Protokoll zur Übertragung elektronischer Signale zwischen Objektiv und Kamera. Darüber hinaus kooperieren die beiden Hersteller Olympus und Panasonic auch beim Blitzsystem miteinander und greifen auch hier auf ein gemeinsames Protokoll zurück. Somit können Olympus-Blitze an Panasonic-Kameras, genauso auch Panasonic-Blitze an Olympus-Kameras verwendet werden. Fremdanbieter, etwa der deutsche Hersteller Metz, haben in der Regel nur eine einzige Produktlinie für alle µFT-Kameras im Angebot.
Leider nicht kompatibel ist hingegen der elektronische Zubehöranschluss unterhalb des Blitzschuhs. So können elektronische Aufstecksucher nicht zwischen den Herstellern getauscht werden, auch andere Module sind jeweils nur mit einem Hersteller kompatibel.

Welches Format stelle ich am besten ein?

Die Sensoren der Micro-Four-Thirds-Kamera besitzen, anders als die Systemkameras von Canon, ein Seitenverhältnis von 4:3. Sinnvollerweise sollte man also dieses Format auch für die Aufnahme verwenden um so die volle Bildfläche zu nutzen. Es spricht allerdings nichts dagegen, das Format dem jeweiligen Motiv oder den eigenen Wünschen anzupassen, besonders wenn eh die Ausgabe in einem anderen Format geplant ist. Der sonst am Rechner zu erledigende Beschnitt wird dann bereits in der Kamera vorgenommen.
Die Formateinstellung der Kamera bezieht sich jeweils nur auf die JPEG-Ausgabe. Die RAW-Datei wird immer im 4:3-Format mit der vollen Auflösung gespeichert. Es wird allerdings eine Maske mit dem gewählten Format hinterlegt, die je nach Bildbearbeitungsprogramm manuell oder automatisch genutzt werden kann.
Eine Ausnahme zum zuvor geschriebenen stellen die beiden Modelle Panasonic Lumix DMC-GH1 und DMC-GH2 dar, die mit einem Multiformatsensor ausgestattet sind. Dies bedeutet, dass der Sensor größer ist als der Bildkreis des Systems und somit, je nach gewähltem Format, der größte zur Verfügung stehende Bildwinkel zur Verfügung steht. Bei diesen beiden Modellen sollte also immer das den eigenen Wünschen entsprechende Format gewählt werden, da auch im RAW-Modus nur das eingestellte Format gespeichert wird.

Welchen Bildstabilisator sollte ich bevorzugen?

Bei Micro-Four-Thirds gibt es zwei verschiedene Stabilisatorkonzepte. Zum einen der, genau wie bei Canon, auch im Objektiv untergebrachte O.I.S. von Panasonic, zum anderen der ins Kameragehäuse integrierte IS von Olympus. Dies kann dazu führen, dass bei der Nutzung von bestimmten Panasonic-Objektiven an Olympus-Kameras zwei Stabilisatoren zur Verfügung stehen, die sich gegenseitig stören können. Zwar unterscheidet sich die Leistungsfähigkeit je nach verwendetem Modell und natürlich auch je nach Nutzer, da Verwacklungen stark personenabhängig sind, trotzdem kann folgende Faustregel festgehalten werden:

An Olympus PEN-Kameras (Stand 2012) zeigt der O.I.S. von Panasonic bessere Ergebnisse, an Olympus OM-D-Kameras zeigt hingegen der integrierte Stabilisator in der Regel eine höhere Leistungsfähigkeit.

Da sowohl die Stärke als auch die Art der Verwacklungen sehr stark von dem Photographen und seinen Motiven abhängt ist ein persönlicher Test aber noch immer die beste Art, die höchste Leistungsfähigkeit zu erzielen.

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