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Autor: Sascha Stewen
Veröffentlicht: 18. August 2013

Erfahrungsbericht: Olympus OM-D E-M5

The Times They Are a-Changin’

Unsere Welt verändert sich ständig, selten in Form von großen Umwälzungen, meistens schleichend und kaum bemerkt. Vieles passt sich an, modernisiert und entwickelt sich, bleibt im Kern aber doch gleich und erscheint so als Ruhepol oder Fels in der Brandung, der mit jedem Tag seiner Existenz an Stärke gewinnt und irgendwann zur Selbstverständlichkeit wird. Ein Wanken oder gar der Niedergang erscheint unvorstellbar. Und doch passiert es immer wieder, dass sich die Zeiten scheinbar plötzlich ändern. Nur ein genauer Blick offenbart die vorausgegangenen Entwicklungen, die Absehbarkeit der Ereignisse, im Nachhinein klar, doch im Moment schwer zu erfassen. Und mindestens ebenso häufig erscheint die Richtung so zwangsläufig, so zielführend, nur um später doch korrigiert zu werden. Oder gar revidiert. Aus der fernen Warte der Zukunft betrachtet glätten sich die Wogen der Entwicklung und jener Schlingerkurs der Technologie erscheint als gerades Band. Was wird man dann wohl über das hier und jetzt berichten?

Am achten Februar 2012 startete Olympus mit der OM-D E-M5 eine neue Produktlinie im Bereich der Micro-Four-Thirds-Kameras, jenes ersten Kamerasystems, das eine neue Kategorie im Bereich der Phototechnik begründete. Auf einen Spiegel verzichtend sollte es an Größe und Gewicht, nicht hingegen an Leistung verlieren. Bereits in der letzten Generation wurde ein Niveau erreicht, dass bei Leistungsfähigkeit, Auswahl und Mobilität ein Niveau erreichte, dass auch höheren Ansprüchen genügte. Mit der Olympus PEN E-P3 durch Italien zu reisen war ein Genuß, und die Panasonic Lumix GH2 erfreute sich vor allem aufgrund ihrer Qualitäten bei bewegten Bildern großer Beliebtheit bei Filmern. Doch Olympus versprach mit der E-M5 mehr, einen Schritt weiter sollte es gehen, the Beginning of the New.

Einige Tage intensiver Nutzung reichen zwar aus, um nicht nur einen ersten, sondern durchaus auch einen fundierten Eindruck über die allgemeinen Leistungen zu gewinnen. Aber in einem kurzen Testzeitraum fällt zwangsläufig immer ein Auge auf die gerade genutzte Technik, so dass die unbewussten Vor- und Nachteile während der Nutzung, jene Gründe, die auf Dauer begeistern oder entnerven, kaum zum Vorschein kommen. Erst mit der Zeit kristallisieren sich der wahre Nutzen und die wirklichen Abgründe heraus und ergeben so ein natürlich weiterhin rein subjektives, aber deutlich kompletteres Bild. Aus diesen Gründen habe ich mich dazu entschlossen, nach inzwischen fast anderhalb Jahren Nutzung Bilanz zu ziehen.

Design und Zubehör

Produktbilder lügen. Das ist nichts neues, doch während sonst häufig über die Nachbearbeitung versucht wird, die Ware hochwertiger und edler erscheinen zu lassen wirkt sie im Fall der Olympus E-M5 vor allem größer. Absicht kann man da kaum unterstellen, vielmehr sind es persönlichen Assoziationen, die zur falschen Einordnung führen. Der erste mir bei der realen Präsentation durch den Kopf schießende Gedanke, und ich bin mir ziemlich sicher anderen ging es ähnlich, war denn auch: “Huch, ist die klein”. Und damit ist nicht die absolute Größe gemeint, denn hier sticht sie aus dem Feld der spiegellosen Systemkameras nicht besonders hervor, als vielmehr der Abgleich mit der eigenen Erwartungshaltung. Die digitale OM-D liegt größenmäßig im Bereich der klassisch-mechanischen Spiegelreflexkameras der sechziger und siebziger Jahre, also ihren OM-Vorgängern genauso wie den vielen Modellen anderer Hersteller. Und die, das macht die neue Kamera auch deutlich, waren spürbar kleiner (wenn auch nicht leichter) als moderne Spiegelreflexkameras, besonders die Digitalen.
Natürlich ist es nicht nur die Größe, sondern auch das Design, dass an die letzte Hochzeit des mechanischen Kamerabaus erinnern soll. Das schafft die E-M5 gerade in der silbernen Version gut, so gut, dass nicht wenige auf ihr Aussehen hereinfallen und tatsächlich davon ausgehen, es handele sich um eine klassisch analoge Kamera. Ein paar wenige Situationen wurde durch die vehemente Beteuerung mir fremder Personen, sie hätten früher mit genau demselben Modell photographiert, geradezu Anekdotentauglich. Auf der anderen Seite ist das Retrodesign, nicht zuletzt weil es reine Zierde ist und keine sinnvolle Evolution des klassischen Bedienkonzepts wie etwa beim X-System von Fujifilm darstellt, ein Garant für polarisierende Ansichten zur Kamera selbst. Mir gefällt das Aussehen, vielleicht auch, weil ich der pseudomodernen Mischung aus New-Age und Bauhaus, das andere Hersteller seit gut zwei Jahrzehnten verkaufen, wenig abgewinnen kann. Kaufentscheidend ist der Punkt für mich nicht, kauffördernd war er hingegen schon.

Ein interessanter Aspekt des Systemdesigns fällt beim Blick auf das Zubehör auf. Es gibt keinen fest verbauten Griff, allenfalls einen Griffansatz. Mir reicht der zusammen mit der guten Daumenablage auf der Rückseite bei leichten Objektiven vollkommen aus, er hätte etwas konturierter sein können, aber insgesamt passt die Größe und der Halt. Mit größeren Objektiven, und dazu zählt bereits ein Panasonic 12-35mm ƒ/2,8, das in anderen Systemen als besonders kompaktes Zoomobjektiv gelten würde, ist auch etwas mehr Halt sinnvoll. Olympus’ Ansatz (der ähnlich wie die Kamera selbst an vergangene Zeiten erinnert) nennt sich “modularer Griff” und besteht aus zwei Teilen. Der erste erweitert die E-M5 für die Querformatphotographie und fügt einen dickeren, stärker konturierten Griff hinzu, der über einen zweiten Auslöser inklusive Einstellrad verfügt. Beides ist nicht unbedingt notwendig, aber komfortabel und ich bemerke in meiner Praxis immer wieder, dass ich je nach Objektiv mal diesen, mal jenen Auslöser bevorzuge. Der zweite Teil des modularen Griffs entspricht dem klassischen Batteriegriff für das Hochformat und bietet neben einer optimierten Handhaltung auch zusätzliche Bedienelemente, die über das Menü auch individuell belegt werden können (so dass man im “Portraitmodus” ein anderes Bedienlayout als im “Landschaftsmodus” nutzen kann). Die Idee ist gut und erlaubt mir die Anpassung der Kamera an die jeweilige Aufnahmesituation: mit dem leichten Gepäck und drei Festbrennweiten kommt sie ganz ohne Griff mit, ist eines der Zoomobjektive dabei wird der Landschaftsgriff montiert und stehen viele Hochformataufnahmen auf dem Programm oder benötige ich etwas Gewicht als Ausgleich für ein großes Objektiv, so wird eben auch der Portraitgriff montiert. Letzteres passiert eher selten, was die Aufmerksamkeit auf die beiden großen Nachteile lenkt. Zum einen bietet Olympus zwar dieses modulare Konzept, verkauft es aber nur als Ganzes. Für mich persönlich hätte eigentlich der Landschaftsgriff gereicht, zu selten kommt der Portraitteil zu Anwendung - kaufbar war aber nur beides zusammen. Zum anderen ist es nicht möglich, mit montiertem Landschaftsgriff den Akku zu wechseln. Nun hält der Akku, wie ich später noch ausführen werde, bereits recht lange, trotzdem ist die Notwendigkeit einer Demontage lästig. Und sie wird immer dann zur Entweder-Oder-Entscheidung, wenn sichergestellt sein muss, dass der Wechsel in kürzester Zeit von Statten geht: bei einer Veranstaltung muss also entweder ganz ohne, oder eben mit dem komplett montierten Griff funktionieren (denn dort kann man dann den zweiten Akku problemlos wechseln).

Das eine integrierte Lösung keinesfalls unmöglich gewesen wäre zeigen die Nachbauten bzw. Griffvarianten von Fremdanbietern, die zwar ohne zweiten Auslöser und Einstellrad, dafür aber mit Akkufachöffnung erhältlich sind und daher durchaus eine sinnvolle Alternative zum Originalzubehör darstellen. Wirklich schlimm ist aber das ungute Gefühl, dass sinnvolle Innovationen vom Hersteller nicht bis zum Ende gedacht werden und sich zwangsläufig die Frage stellt: photographiert dort überhaupt jemand mit den eigenen Produkten, oder entwickelt man sie nur? Eine weitere Chance ging nämlich verloren, als man die Anschlüsse für den Landschaftsgriff unterschiedlich zu jenen des Portraitgriffs gestaltete, so dass letzterer auch immer mit dem Zwischenstück verwendet werden muss, das reichlich unsinnig ist, will man sich voll auf das Hochformat konzentrieren. Eine bessere Gewichtsverteilung und ein angenehmeres Handling wurden geopfert, ohne dass der Grund dafür ersichtlich ist. Das es bisher nur bei einem Griff geblieben ist, anstatt das Sortiment durch weitere Varianten (etwa einen kombinierten Griff, oder einen mit integriertem Hochformatstativgewinde) zu ergänzen fügt sich leider nahtlos in dieses Bild ein.

Während der Griff extra gekauft werden muss gehört der kleine Aufsteckblitz, als Ersatz für einen fehlenden integrierten Blitz, zum Lieferumfang. Auf der einen Seite ist es schön, dass ein kleines Blitzgerät mitgeliefert wird, wenn schon keines ins Gehäuse integriert wurde. Auf der anderen Seite ist es eben ein zusätzliches Teil, das mitgenommen und im Zweifel montiert werden muss, sofern es nicht die ganze Zeit an der Kamera sitzt, was wiederum in vielen Taschen unkomfortabel ist. Die Leistung ist dafür dann eher bescheiden und hebt sich nicht aus dem Bereich der meisten integrierten Blitze hervor. Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob man ihn nicht direkt ins Gehäuse hätte integrieren können? Im üppigen Sucherbuckel sei dafür kein Platz, sagt Olympus, da dort neben der Elektronik des optischen Suchers und des Zubehöranschlusses auch die Sensoren für den neuen Stabilisator untergebracht seien. Und an jener Position, an der er bei der (vom Sucherbuckel abgesehen) ähnlich großen Olympus E-P3 sitzt befindet sich eben das Moduswählrad. Also eben extern, der Kompaktheit wegen. Und mit etwas guten Willen kann man behaupten, dies unterstützte das modulare Konzept, denn wenn er nicht gebraucht wird, kann er zu Hause bleiben. Oder irgendwo ganz unten in der Phototasche verschwinden, was meist auf das gleiche hinauskommt. Zumindest bei mir.

Bedienkonzept

Nach der Phase der Verliebtheit folgt in jeder Beziehung der Alltag, das gilt für Menschen wie für Kameras, und gerade die Macken im Bedienkonzept sorgen dann für dauerhafte Reibungspunkte. Genug Potenzial dafür bietet Olympus immer wieder, denn auf fast unnachahmliche Art und Weise haben sie das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche verinnerlicht und bieten bei jedem Modell einen klassenunüblich großen Funktionsumfang mit vielen Einstell- und Individualisiermöglichkeiten auf der einen, aber eben auch schwer nachvollziehbare Einschränkungen und unnötige Verkomplizierungen auf der anderen Seite. Die E-M5 macht da keine Ausnahme, und manche Verschrobenheit, wie etwa die nur schwer zuordbaren Übersetzungen für die Rauscheinstellungen (wie immer der Hinweis: Rauschminderung bedeutet Dunkelbildabzug bei längeren Belichtungszeiten, Rauschunterdrückung meint die interne Entrauschung im JPEG-Modus), erscheint nicht zuletzt aufgrund ihres Durchhaltevermögens schon fast wieder menschlich - seit mehr als einer Dekade hat sich die Übersetzung über etliche Kameramodelle hinweg nicht verändert. Das kann ich, mit etwas gutem Willen, gern verzeihen. Andere Extremfälle, wie etwa die Notwendigkeit das geniale Super-Control-Panel (SCP, Menü → Zahnrad D → Kontrolle Einst. → P/A/S/M oder sonstige → Live Monitoranzeige auf ein, Live Kontrolle aus, anschließend im Aufnahmemodus OK drücken) erst freischalten zu müssen, sind ein einziges Mal störend und fallen im sonstigen Betrieb nicht weiter negativ auf, auch wenn es bedauerlich ist, weil einige Einsteiger so wohl gar nicht in den Genuß dieser direkten Einstellmöglichkeit kommen werden.
Über andere Einschränkungen hinwegzusehen fällt dagegen schwer. So bleibt es mir auch nach einem Jahr Nutzung (und Jahren der Erfahrung mit anderen Olympus-Kameras) absolut unverständlich, warum ich die Funktion der Belichtungsreihen nur und ausschließlich über das Menü kontrollieren kann, obwohl das einfache ein- und ausschalten ohne weiteres auch als Funktion auf eine Taste oder, erweitert durch zusätzliche Einstellmöglichkeiten, als Punkt im Super-Control-Panel untergebracht werden könnte. Die Belichtungsreihe dann auch mit einem Auslösen ablaufen zu lassen wäre im Zuge dessen eine wünschenswerte Ergänzung. Generell sind die Einschränkungen bei der Belegbarkeit der einzelnen Funktionstasten nicht nachvollziehbar, nicht nur was die Einstellmöglichkeiten selbst angeht, sondern auch, was die Auswahl je nach Taste betrifft. Besonders ärgerlich sind die Kritikpunkte, weil sie häufig schwer nachvollziehbar sind. Warum etwa kann ich im Videomodus nicht mit der Sucherlupe manuell Fokussieren, so wie es in den einzelnen Photomodi geht? Warum kann ich im manuellen Modus mit aktivierter Auto-ISO keine Belichtungskorrektur verwenden? Ähnlich wie beim modularen Griff scheint ein Konzept zu fehlen, dass auf praktischer Erfahrung aufbaut. Immerhin hätte man mit gerade jenem Griff auch komplett neue Möglichkeiten schaffen können, durch eine zusätzliche Knopfleiste unterhalb des Displays, oder mit einer doppelten Belegbarkeit der vorderen Einstellräder. Selbst die mit dem Griff vorhandenen zwei Auslöser hätte man so nutzen können. Ich stelle mir etwa einen Auslöser programmiert auf die Einzelbildaufnahme, den zweiten auf den schnellen Serienbildmodus vor. Geworden ist daraus, leider, nichts und so macht auch die E-M5 klar: “Ja, Olympus” (wer meinen Erfahrungsbericht zur Olympus E-P3 gelesen hat weiß, was das bedeutet).

Sympathisch war schon immer Olympus’ Prinzip, Klassenunterschiede nicht durch künstliche Beschneidungen herzustellen. Aus diesem Grund etwa hat die neueste Kamera in der Regel auch den aktuellsten Sensor, selbst wenn es sich um einer niedrig positioniertes Einsteigermodell geht. Unsympathisch wirkt Olympus allerdings, wenn reine Softwareerweiterungen nicht durch Firmwareupdates von unten nach oben wandern. Bei älteren Modellen ist es verständlich, wenn nur relevante Aktualisierungen, etwa im Bereich der Kompatibilität mit neuen Objektiven, weitergegeben werden. Aber noch immer ist die E-M5 das aktuelle Spitzenmodell und wird als solches beworben. Wenn hier etwas später eingeführte, niedriger positionierte Modelle neue interessante Funktionen bieten, dann läge es im Interesse von Olympus, die Markentreue der Nutzer durch eine solche Weitergabe zu stärken, anstatt ein schlechtes Gefühl zu hinterlassen, nach dem Kauf keine weitere Mühe mehr wert zu sein. Zumal heute der frühe Nutzer selbst häufig zum Betatester wird und gerade Innovationen nicht selten nachgebessert werden - auch bei der E-M5.

Das Bedienkonzept der Olympus E-M5 gehört sicherlich zu einem der meistdiskutierten Themen rund um die erste OM-D, was vor allem daran liegt, dass es eine besonders persönliche Angelegenheit ist. Ich habe eher kleine Hände, und generell nehme ich die E-M5 auch nach Monaten der Nutzung gern in die Hand. Von den etwas unglücklich positionierten Halteösen abgesehen, hier hätte ich mir eine klassische Form wie bei der E-3/5 eher gewünscht, liegt mir sowohl die Größe als auch die Griffmöglichkeiten. Die hinteren Tasten erscheinen zunächst wahllos verstreut, sind in der Praxis für mich aber leicht zu unterscheiden und so auch blind zu bedienen. Olympus erklärt das schwammige Gefühl als Notwendigkeit aufgrund der Abdichtung. Das zu glauben fällt schwer angesichts der festen Führung entsprechender Knöpfe bei anderen Kameramodellen selbst aus dem eigenen Haus, andererseits sind die Druckpunkte trotzdem fühlbar und mich hat es bei der Bedienung, selbst mit Handschuhen, nicht gestört. Das Steuerkreuz ist gerade noch soweit rechts platziert, dass ich es selbst mit der Kamera am Auge noch bedienen kann. Speziell mit der Funktionstaste 1, aber auch mit den anderen Knöpfen, wird es aber extrem schwierig und vor allem ungemütlich. Hier macht sich allein durch die Größe auch die Auslegung der Kamera selbst bemerkbar. Die als professionelle Arbeitsgeräte positionierten digitalen Systemkameras besitzen meist direkte Einstellmöglichkeiten für alle wesentlichen Funktionen und eine entsprechende Größe, damit diese Knöpfe und Tasten am Gehäuse auch ergonomisch platziert werden können. Olympus selbst hingegen spricht bei der E-M5 von einer semiprofessionell platzierten Kamera, also ein Kompromiss aus einem flexiblen, direkten Bedienlayout auf der einen und geringen Abmessungen auf der anderen Seite. In der Praxis bedeutet dies für mich, dass ich ohne die Kamera vom Auge zu nehmen den gewünschten Aufnahmemodus, entsprechend die Zeit oder Blende sowie die Belichtungskorrektur, das Fokusfeld zwei weitere Funktionen, in der Regel die Umschaltung zwischen Autofokus und manueller Fokussierung sowie die Fokuslupe und damit verbunden ein kleineres, freier platzierbares Autofokusfeld einstellen kann. Abgesehen davon, dass es schön wäre, wenn zwischen den einzelnen Modi die Einstellungen nicht ausgetauscht werden würden, reicht dies nicht zuletzt aufgrund der gegenüber einer Spiegelreflexkamera deutlich besseren Informationslage im Sucher für sehr viele meiner Aufnahmesituationen aus. Immer dann, wenn eine komplette Kontrolle über alle Funktionen, also zusätzlich etwa die Empfindlichkeit, der Autofokusmodus, die Serienbildeinstellung oder die Belichtungsmessung notwendig wird muss der Weg bei mir über das Super-Control-Panel erfolgen. Auch das geht mit etwas Übung schnell, aber Schönreden muss man sich die Situation nicht - professionellere Gehäuse bieten an der Stelle einfach bessere Möglichkeiten. Schlechtreden ist ebenso nicht angebracht, denn diese professionelleren Gehäuse sind auch nicht in der Größe zu bekommen. Für mich und meine Photographie funktioniert es sehr gut, auch wenn es schnell gehen muss. Verbesserungspotenzial gibt es trotzdem, aber wann war das schon mal anders?

Robustheit und Systemgedanke

Während das Bedienkonzept einen Mittelweg zwischen den Einsteigergeräten und den professionellen Systemkameras sucht und bei der Größe mehr Wert auf Mobilität gelegt wurde, so folgt die Olympus E-M5 bei der Verarbeitung und Robustheit professionelle Tugenden, die bei Olympus schon immer eine große Rolle spielen. Unter der Haut, teilweise aus Metall, teilweise aus Kunststoff und in beiden Fällen gut verarbeitet, steckt ein Magnesiumchassis. Gegen Staub- und Wettereinflüsse ist das Gehäuse auf dem gleichen Niveau abgedichtet wie die größeren Spiegelreflexgeschwister E-3 und E-5. Zudem soll die Elektronik so ausgelegt sein, dass schwerere Beschädigungen nicht zum sofortigen Totalverlust führen, also etwa auch mit zerstörtem Display noch weiter photographiert werden kann. Ein vollkommener Schutz ist es allerdings nicht und kann es auch nicht sein, vielmehr wird die Ausfallwahrscheinlichkeit reduziert. Glaubt man den entsprechenden Tests, dann durchaus deutlich.
In der Praxis konnten weder Hagel, Platzregen, Sandstürme oder extreme Kälte meine E-M5 davon abhalten, weiter ihre Bilder zu machen. Ob sie ohne diese Bauweise und ohne die Schutzmaßnahmen ebenso gut abgeschnitten hätte lässt sich natürlich nicht klären, ähnliche Situationen haben mir allerdings in anderen Fällen bereits Probleme bereitet. An die Grenzen wollte ich hingegen mit meiner Kamera nicht gehen, schlicht und einfach, weil ich dafür künstlich noch extremere Situationen hätte herbeiführen müssen, und davon halte ich nicht viel. In Anbetracht der Tatsache, was meine bisherigen wettergeschützten Olympus-Modelle (E-1/E-3) ausgehalten haben gewähre ich dem Hersteller an der Stelle einen Vertrauensvorschuss.

Robuste Auslegung bedeutet natürlich nicht, dass nicht doch etwas passieren kann, und von den Haarrissen am Displayrahmen, die durch Verspannungen im Material aufgrund von einem zu hohen Drehmoment an den Schrauben auftreten können, blieb auch meine Kamera nicht verschont. Sie führten aber weder zu einer Beeinträchtigung im Betrieb, noch gab es bei der Fehlerkorrektur seitens Olympus irgendwelche Probleme. Zusammen mit einer leichten Dezentrierung des Sensors, deren Ursache im neuen Stabilisator zu suchen war und die ebenso problemlos beseitigt wurde waren dies die einzigen Probleme technischer Art, die bisher auftraten. Kein perfektes Ergebnis, aber im Vergleich zu früheren Modellen (von verschiedenen Herstellern) durchaus ein gutes.

So gut der Umgang von Olympus mit Problemen ist, so schlecht hat sich in meinen Augen die Systempolitik entwickelt. Dies merkt man gerade daran, dass dieser robusten Kamera bisher erst zwei entsprechend positionierte Objektive folgten, ein lichtschwaches Standardzoom und ein Makroobjektiv. Warum die hochwertigeren Festbrennweiten, wie etwa das optisch herausragende M.Zuiko 75mm ƒ/1,8 oder auch das Reportageobjektiv M.Zuiko 17mm ƒ/1,8, beide nach der E-M5 erschienen, nicht ebenfalls abgedichtet sind ist schwer zu sagen und auch mit viel Herstellersympathie nicht zu erklären. Früher war Olympus bekannt für optisch gute, robuste und in Anbetracht der Leistung Preiswerte Zoomobjektive, Tugenden, die optimal zur E-M5 passen würden. Nun muss man sich beim Partner Panasonic umschauen.
So nicht, Olympus! Es wird Zeit, dass ihr an dem Punkt nachbessert und damit ein natürlich nie ausgesprochenes, aber durch die Auslegung der E-M5 impliziertes Versprechen einlöst. Ich bin mir sicher, man wird meinem Ruf folgen. ;-)

Sucher und Display

Das Gefühl spielt eine wichtige Rolle in der Photographie. Für mich zumindest. Ich bin ein Freund klassischer Mechanik und Optik, schätze die Anmutung von Metall über Kunststoff (egal wie hochwertig dieser auch sein mag), und genieße den Anblick von edel verarbeitetem Holz. Es ist ein Stück weit das Gefühl von Direktheit, eines sofortigen Verstehens und, für mich wohl am Entscheidendsten, einer Unabhängigkeit (allein schon bezogen auf jede Energieversorgung).
Ein elektronischer Sucher ist für mich unter den Voraussetzungen schon in seinen Grundsätzen das Paradegegenteil von Genuß, und ich käme nie auf die Idee, ihn zu verwenden wenn ich den Akt des Photographierens genießen will. Auf der anderen Seite mache ich noch immer die meisten Bilder eben der Bilder wegen, ergebnisorientiert, und ich würde mich als Narr bezeichnen, wenn ich die Vorteile des elektronischen Suchers rein aus Genußgründen ablehnen würde. Der Sucher der E-M5 erscheint auf dem ersten Blick unspektakulär, und in der Tat wirkt er verglichen mit anderen elektronischen Suchern fast schon etwas leistungsschwach. Der vermeintliche größte Vorteil eines elektronischen Suchers, nämlich die Unabhängigkeit der Größe und Helligkeit von der Größe des Aufnahmeformats (gerade bei einem im Vergleich zum Großteil der Konkurrenz eher kleinen Sensor ein wichtiger Punkt), wird kaum ausgespielt. Ja, er ist größer als viele Sucher von Einsteigerspiegelreflexkameras, mehr aber auch nicht. Und die Auflösung ist mit 1,44 Millionen Bildpunkten (das ergibt ein Bild von 800 x 600 Pixel), bezogen auf die Suchergröße zwar gut, aber insgesamt auch nicht überragend. Auch was das Kontrastverhalten angeht zeigt er keine besonders hohen Leistungen, und leider die gleiche Schwäche im Vergleich zum rückseitigen Display, vor allem aber in Relation zum tatsächlich aufgenommenen Bild, den viele andere Modelle auch bieten. Er ist scharf, schärfer und vor allem detailtreuer als viele Konkurrenzmodelle, und er kann in seiner Farbwiedergabe angepasst werden, keine echte Kalibrierbarkeit natürlich, aber genug um zumindest einen realistischen Eindruck zu vermitteln, auch wenn es gelegentliche Ausreißer gibt. Der Grund zum Schwärmen sind aber zwei Zahlen, 120 und 240. 120 Mal pro Sekunde wird er im Standardmodus aktualisiert, und 120 Mal pro Sekunde wird dafür auch der Sensor ausgelesen. Wenn jemand empfindlich ist, und ich bin es (weswegen ich etwa ein Problem mit Aktivshutterbrillen im 3D-Bereich habe), dann ist allein das ein Segen. Und wenn das nicht reicht, dann gibt es einen Hochgeschwindigkeitsmodus (Menü → Zahnradmenü J → Bildfolge Hoch statt Normal) mit 240 Aktualisierungen pro Sekunde. Dafür wird auch der Sensor 240 mal pro Sekunde ausgelesen. Zwar leidet die Auflösung darunter, dafür verschwindet der vermeintlich größte Nachteil von elektronischen Suchern nahezu vollständig: der Zeitversatz. Direkter habe ich bisher keinen erlebt, der Unterschied selbst zu schnellen Spiegelreflexkameras wird minimal, denn das Mü an Verzug gleich die E-M5 bei der Auslösung wieder aus. Heraus kommt eine Geschwindigkeit, die problemlos auch für schnelle Bewegungen geeignet ist. Die Ergebnisse sind dann wieder ein Genuß, es wird aber noch einige Zeit dauern, bis es auch der Anblick des Sucherbildes ist.

Denn das ist in erster Linie praktisch, weil sich alle Vorteile des Live-Views im Sucher nutzen lassen. Das wichtigste Element ist natürlich die direkte Sichtbarkeit des Einflusses der Belichtung, des Weißabgleichs und der Belichtungskorrektur. Dazu zählen aber auch die zusätzlichen Einblendungen, das Histogramm, die Überbelichtungswarnungen, die Wasserwaagen und natürlich das Super-Control-Panel. Hinzu kommt, dass mit der Sucherlupe extrem genau manuell fokussiert oder die automatische Fokussierung kontrolliert werden kann. Zudem kann der Sucher natürlich auch während der Filmaufzeichnung genutzt werden. All diese Funktionen hat die E-M5 für sich genommen gut integriert, leider fehlt die Möglichkeit der Kombination. Das Histogramm etwa zusammen mit den Wasserwaagen einblenden zu lassen, der Platz dafür wäre vorhanden, ist nicht möglich. Und die Vergrößerung des Lupenbereichs nur auf die Bildmitte zu beziehen, so dass parallel die Komposition kontrolliert werden kann erlaubt sie leider auch nicht. Es ändert nichts an der generellen Nützlichkeit, die jeden optischen Sucher hinter sich lässt, hat aber leider wieder den fahlen Beigeschmack, dass es ohne großen Aufwand noch deutlich besser ginge. Und was nützen die besten Funktionen, wenn man sie ständig hin- und herschalten muss, um sie vollständig zu nutzen?
In der Praxis hat sich das Gesamtkonzept abgesehen davon bewährt. Wenn es auf Geschwindigkeit ankommt nutze ich den Hochgeschwindigkeitsmodus, ansonsten schalte ich doch auf den normalen Modus zurück - es sieht einfach besser aus. Wenn ich längere Zeit den elektronischen Sucher genutzt habe und der direkte Vergleich zu einem guten optischen Sucher in den Hintergrund rückt kann ich mich sogar fast mit der Darstellung anfreunden. Oder besser auskommen. Genutzt wird der elektronische von mir genauso wie ein optische Sucher, allerdings haben sich manche Arbeitsabläufe geändert. Wenn man am optischen Sucher einen Grauverlaufsfilter nutzt, so geht es primär darum die richtige Position zu bestimmen. Die endgültige Bildanmutung muss man abschätzen, was mit ausreichender Erfahrung gut funktioniert. Am elektronischen Sucher hingegen wird die Belichtung ständig aktualisiert, sofern man mit einer Halbautomatik photographiert. Die Verlaufslinie wird schwerer erkennbar, dafür entspricht das dargestellte Bild viel mehr dem Ergebnis. Beim Spiegelreflexsucher geht die Lageeinstellung fix, dafür muss man die Aufnahme kontrollieren und gegebenenfalls ein neues Photo mit neuen Einstellungen anfertigen. Am elektronischen Sucher kann man direkt das Ergebnis beurteilen, für die Lagekontrolle des Verlaufs muss hingegen in den manuellen Modus wechseln (bei dem keine Belichtungsanpassung stattfindet, solange man die Werte nicht ändert). Dafür erübrigt sich meist eine Nachkontrolle oder nachträgliche Anpassung. Schneller ist im Endeffekt kein Weg, leichter kontrollierbar ist die Variante mit dem elektronischen Sucher.

Die Darstellung auf dem Display wirkt für mich besser als jene im Sucher, die Farbdarstellung ist besser, der Kontrastumfang erscheint höher und die Auflösung ist, obwohl physisch schlechter, optischer kaum zu unterscheiden. Einiges davon mag daran liegen, dass beim Sucher aufgrund der Auslegung das Bild die volle Aufmerksamkeit genießt, währen das Display eben in der jeweiligen Umgebung betrachtet wird. Das allein schwächt bereits die Kontraste und lässt so die Dynamik, gefühlt, ansteigen. Auf jeden Fall fällt es mir leichter, das Ergebnis auf seine Wirkung bei der späteren Ausgabe in größeren Formaten auf dem Display als im Sucher zu kontrollieren, auch wenn es natürlich einiges an Erfahrung braucht, den endgültigen Bildeindruck auf Photopapier abzuschätzen - so gut ist bisher kein Display am Markt und wird es wohl auch auf absehbarer Zeit nicht sein.
Nicht nur bei der Wiedergabe, auch bei der Aufnahme hat sich das Display, besonders aufgrund seiner Klappbarkeit, bewährt. Unauffällige Aufnahmen auf Bauchhöhe, die Arbeitsweise und Bildwirkung ähnelt der klassischen Lichtschachtphotographie, sind leicht erstellt und einfach zu kontrollieren. Auch auf dem Stativ ist das Display meine bevorzugte Aufnahmemethode, nicht zuletzt, weil der Sucher im Gegensatz zum optionalen Aufstecksucher (der bei den PEN-Modellen einen höheren Sinn ergibt, aber auch an der E-M5 verwendet werden kann) nicht nach oben klappbar ist. Das Display eben schon, wobei der Nutzen nur beim Querformat oder quadratischen Aufnahmen vorhanden ist. Im Hochformat wäre ein seitlich angeschlagenes Schwenkdisplay besser, wie Olympus es bei einigen Spiegelreflexkameras einsetzt. Dafür hätte das eben den Nachteil, im Querformat aus der Reihe, oder besser aus der Vertikalen zur optischen Achse herauszustehen und wäre so gerade im zuvor beschriebenen Lichtschachtstil schwerer nutzbar. Zumindest von mir, ich habe es entsprechend probiert und bevorzuge da eindeutig die E-M5-Variante. Die beste Lösung ist allerdings noch immer ein unten angeschlagenes Schwenkdisplay oder ein kombiniertes Klapp-Schwenk-Display. Hat die E-M5 nicht, ist schade, lässt sich aber nicht ändern und stört mich, als ausgewiesenen Freund von Quer- und Quadratformaten recht wenig. Dann doch lieber einen klappbaren Sucher, hat sie leider auch nicht, aber immerhin die systeminterne Konkurrenz (Panasonic Lumix DMC-GX7). Und das macht zumindest Hoffnung auf kommende Generationen.
Der Touchscreen ist bei der E-M5 kein Ersatz für wegrationalisierte Bedienknöpfe, wie es bei manchem Einsteigermodell der Fall ist, sondern eine Alternative im Arbeitsablauf, die man nutzen kann wenn man will, auf die man aber eben auch ohne nennenswerte Einschränkungen verzichten kann, wenn man beim klassischen Bedienkonzept bleiben will. Das wäre allerdings Schade, denn nicht nur kann man schneller durch das Super-Control-Panel navigieren, auch die Anpassung des Fokusmessfeldes erreicht einen ungeahnten Komfort. Hinzu kommt, dass auch die direkte Fokussierung und Auslösung sehr gut funktioniert, sofern das Objektiv schnell genug ist, und daher im Schnappschussbereich ein gezielteres Photographieren möglich ist. Klingt widersprüchlich, funktioniert aber phantastisch.

Fokussierung

Schnelle Objektive sind für das schnelle Fokussieren Grundvoraussetzung. Die Erkenntnis ist nicht neu, nicht umsonst sind etwa Ultraschallantriebe im Spiegelreflexbereich heute weit verbreitet. Die Verfahren haben sich mit den Kontrastautofokussystemen geändert (weswegen der Ultraschallantrieb dabei zur Zeit keine Rolle spielt), der Grundsatz bleibt aber erhalten. Das haben auch die Hersteller erkannt, und die neuesten Objektive erreichen zusammen mit den Kameras immer neue Geschwindigkeitsrekorde. Im Einzelautofokus ist die E-M5, ein schnelles Objektiv vorausgesetzt, schlicht Wahnsinn. Die Fokussierung sitzt schnell, und sie sitzt genau. Das Messfeld kann entweder in vorgegebenen, leider zu großen Feldern relativ zügig wahlweise über die Tasten oder Einstellräder verstellt werden, oder als frei positionierbarer Ausschnitt, eigentlich gedacht für die Fokuslupe bei manueller Fokussierung. Diese freie Positionierung geht natürlich besonders einfach mit dem Touchscreen, etwas umständlicher über die Tasten (und leider gar nicht über die Einstellräder). Der Grund dafür ist die zweistufige Geschwindigkeit bei der Verstellung. Ein einzelner Druck bewegt das Feld minimal weiter, anhaltendes Drücken hingegen durchfährt den kompletten Bereich. In der Praxis ist mir das eine viel zu langsam, das andere deutlich zu schnell. Eine Verkleinerung der festen Standardfelder, so wie Olympus das bei neueren Modellen anbietet, wäre eine sehr gute Lösung, die zwar weniger Auswahlmöglichkeiten bieten würde, dafür aber schneller durchzuschalten wäre. Denn oft ist es doch die breite Streuung über das gesamte Bild, die eine sinnvolle Erweiterung bestehender Möglichkeiten darstellt. So bleiben nur die großen Felder, oder eben die Verschiebung per Fingerzeig. Auf dem Stativ spielt das keine Rolle, aber gerade Freihand eine ärgerliche Einschränkung.

Gerade zum Thema Fokussierung kursieren schon seit einiger Zeit verschiedene Gerüchte durch die Medien und Foren. Eines etwa sagt, dass durch die zeilenweise Auslesung des Sensors Strukturen in der oberen linken Ecke des Messfeldes bevorzugt werden, so dass es sinnvoll ist, Messfeld für das besonders schnelle oder genaue Fokussieren entsprechend zu platzieren. Die Aussage ist aus zwei Gründen nicht zu halten. Zum einen findet die Auslesung des Sensors von unten nach oben (bezogen auf das dargestellte Bild) statt, so dass es die untere rechte Ecke sein müsste. Zum anderen bestätigte Olympus mir mehrfach, dass der Sensor zwar auch für die Fokussierung zeilenweise ausgelesen wird, aber die Daten als Block analysiert werden und daher die Ausleserichtung egal ist. Wenn schnell und vor allem genau fokussiert werden soll ist es daher sinnvoller, darauf zu achten nur klare Motivstrukturen und keine Hinter- oder Vordergrundobjekte im Messfeld zu platzieren. So ist die Analyse und damit auch die Fokussierung eindeutig. Wer will sollte es ausprobieren, es funktioniert ausgesprochen gut.
Ein anderes besagt, dass der eingestellte Bildmodus Einfluss auf die Geschwindigkeit gerade bei der kontinuierlichen Fokussierung nehmen soll und sich dabei Vivid als besonders schnell herausgestellt hat. Zwar sorgt der Bildmodus für Unterschiede bei der Kontrastdarstellung, die auch wesentlich für die Fokussierung ist, auf der anderen Seite bestätigt aber Olympus mir gegenüber, dass durch die Trennung von Bildprozessor (zur Belichtungsmessung und Bilddarstellung sowie -aufzeichnung) und Signalprozessor für die Fokussierung der Bildmodus keine Rolle spielen könnte. Dem gegenüber stehen einige Aussagen von Nutzern, die tatsächlich entsprechende Mehrleistungen festgestellt haben wollen. Ich für meinen Teil konnte keinen Unterschied feststellen, aber das will nichts heißen.

Die Gesichtserkennung mit der integrierten und gut konfigurierbaren Augenerkennung (etwa der Vorgabe, auf welches Auge fokussiert werden soll), Puristen werden die Nase rümpfen, hat sich in der Praxis immer wieder bewährt. Anfangs schien es gerade bei großen Blendenöffnungen und damit einhergehend geringen Schärfentiefen zu Problemen zu kommen. Grund war nicht eine mangelhafte Technik, sondern fehlendes Vertrauen, denn die Kontrollsekunde zwischen Fokussierung und Auslösen führte zu jenen Schwankungen (von Photograph und Motiv), die zur Unschärfe führten. Mit konsequenten “durchdrücken” erübrigte sich das Problem. Ausschussfrei ist die Technik auch dann nicht, aber das gleiche gilt eben auch für jede andere Autofokusmethode, und die Fehlerquote hält sich in Grenzen. Dafür gewinnt man deutlich an Möglichkeiten, besonders wenn es um Schnappschüsse geht.
Diese Augenerkennung ist eine sinnvolle Spielerei, Kür quasi. Interessanter und letztlich wichtiger ist das Pflichtprogramm, und dazu gehört für mich eine gute Leistung bei wenig Licht. Auch nach Monaten der Nutzung finde ich die Empfindlichkeit des Autofokus noch immer beeindruckend. Genau wie bei der Spiegelreflexkamera auch sinkt die Geschwindigkeit ab, je dunkler es wird. Aber bei Lichtwerten von weniger als -3 überhaupt noch genau und in Anbetracht der Umstände vergleichsweise zügig fokussieren zu können ist eine hervorragende Leistung. Ich sprechen hier von Situationen, in denen selbst bei lichtstarken Objektiven (ƒ/1,4) und hohen Empfindlichkeiten (ISO 3.200) eine Verschlusszeit von einer halben Sekunde für eine “korrekte” Belichtung benötigt würde (und 1/4 bis 1/8 Sekunde für eine “stimmige” Belichtung benötigt wird). Wenn im Sucher dabei nichts mehr zu sehen ist kann die Funktion LV-Erweiterung (Live View Boost) helfen (Menü → Zahnrad D → LV-Erweiterung auf Ein). Es wird dann die Empfindlichkeit für die Sucheranzeige erhöht und so Strukturen dargestellt, die sonst im Schwarz versinken würden. Dafür entspricht allerdings die Bildanzeige auch nicht mehr dem hinterher aufgenommenen Bild, weswegen die Funktion bei mir auf schwierige Lichtsituationen beschränkt bleibt.

Häufig heißt es, der kontinuierliche Autofokus wäre die letzte Bastion der Spiegelreflexkameras, und ich werde dem nicht widersprechen. Auch die älteren Generationen der professionellen Modelle von Canon und Nikon sind der E-M5 klar überlegen. Erstaunlich ist für mich, dass ich dies an der Stelle überhaupt erwähnen muss. Zum einen werden die Erwartungen an die Autofokusleistung von vielen Berichten über die tatsächlichen Leistungen hinaus hochgetrieben, zum anderen haben die Kontrastautofokussysteme aber eben auch eine erstaunlich Entwicklung erlebt, an deren Spitze ohne Frage neben anderen die E-M5 steht. Für hervorragende Leistungen auf dem Niveau der gängigen semiprofessionellen Spiegelreflexkameras benötige ich mit der E-M5 sehr viel Übung mit der Kamera und Erfahrung mit den Motiven, dann sind aber auch schnelle Motive machbar. Der Ausschuss ist höher, die Quote dementsprechend geringer, die Qualität hingegen braucht keinen Vergleich zu scheuen. Die größte Hürde ist es, das Motiv im Sucher und vor allem im Fokusbereich zu halten, der leider bei Serienbildern nicht sinnvoll angezeigt wird. Leider hat Olympus es versäumt, hier bessere Anzeigen zur Verfügung zu stellen um so die vorhandenen Möglichkeiten der Kamera voll auszuschöpfen. Spielen die anderen Vorteile der Kamera keine Rolle, so ist deshalb für mich weiterhin die entsprechend leistungsfähige Spiegelreflexkamera das Mittel der Wahl. Aber die E-M5 erreicht durchaus auch mit weniger Übung das Niveau der aktuellen Hobby-Modelle im Spiegelreflexbereich und bietet Leistungen mit denen ich einen Großteil der alltäglichen Aufgaben zwar nicht problemlos, aber mit einiger Übung durchaus zufriedenstellend erledigen kann. Und ich bin so eingebildet zu behaupten (rein Anhand der Verkaufszahlen entsprechender SLR-Kameras), dass dies auch auf den Großteil der Photographen zutreffen würde. Von daher wundert es mich schon, wie stark das Gewicht des Arguments “kontinuierliche Fokussierung” in den letzten Jahren zugenommen hat. Wobei, eigentlich wundert es mich nicht. ;-)

Bildstabilisator

Der neue Bildstabilisator stand im Mittelpunkt des Hype um die E-M5, er wurde bereits nach den ersten Tests von vielen Seiten gelobt und von manchen fast vergöttert. Der Begriff “Alien-Technology” machte die Runde, ein Versuch, die außergewöhnliche Leistung in Relation zum bisher bekannten zu setzen. Beeindruckend ist die Technik auf jeden Fall, denn immerhin handelte sich um den ersten 5-Achsen-Stabilisator, was letztlich bedeutet, dass mehr Bewegungsformen (etwa die Rotation um die Längsachse) korrigiert werden können als bisher. Was bleibt von der Lobhudelei in der Praxis erhalten? Viel, sehr viel sogar, denn auch nach mehr als einem Jahr ist die Leistung noch immer beeindruckend. Dabei stechen weniger die klassischen Einsatzgebiete besonders hervor, bei der Stabilisierung langer Teleobjektive etwa werden durchaus gute, aber keine überragenden Leistungen erzielt, sondern vielmehr jener Bereich, der bisher auch mit Bildstabilisatoren kaum zu bändigen war: längere Verschlusszeiten bei kürzeren Brennweiten. Auch in engeren Gassen, in Kirchen oder schlicht beim Abendspaziergang durch die Stadt sind Ergebnisse möglich, die in der Form ohne Stativ bisher kaum mehr als Zufallstreffer waren. Und auch als passionierter Stativnutzer kommt man in Situationen, in denen das Dreibein und gelegentlich sogar ein Einbein nicht nutzbar sind, etwa weil es der Raum selbst oder dessen Besitzer nicht erlaubt. Ich gehe soweit zu behaupten (aufgrund meiner Erfahrungen mit verschiedenen Kamerasystemen meine ich, hier durchaus fundierte Behauptungen aufstellen zu können), dass der Bildstabilisator der E-M5 gemessen am kompletten Leistungsspektrum aktuell der Leistungsfähigste auf dem Markt ist. Punkt. Perfekt ist er deswegen natürlich nicht, und wie jeder andere Stabilisator auch hat er Grenzen und Schwächen, schon allein, weil durch die jeweilige Beweglichkeit eine hohe Anforderung an die Genauigkeit und Robustheit gestellt wird, um die Bildqualität nicht dann zu verschlechtern, wenn der Stabilisator nicht genutzt wird. Die Dezentrierung meiner E-M5, die erst im Laufe des Betriebs auftrat, ist dafür ein Beispiel (das ich allerdings nicht überbewerte). Ganz ohne Stabilisator sind eben andere Konstruktionen möglich, Anfälligkeiten geringer und die erzielbare Gesamtqualität höher - sofern man bereit ist, den Preis zu zahlen und neben den Kosten auch das Gewicht, die Zeit und die eingeschränkteren Möglichkeiten akzeptiert. Und genau an dem Punkt macht die E-M5 und deren herausragender Stabilisator eben doch wieder den Unterschied, wenn nicht die maximale Qualität in vollkontrollierten, sondern eine hohe Qualität in vielen Situationen gefragt ist. Für mich war er nicht kaufentscheidend, inzwischen ist er es, und ich wundere mich über mich selbst.

Sensorqualität

Kann ein solcher Bericht ohne Kommentar zur Sensorqualität auskommen? Er kann, denn im Grunde erübrigt sich jeder Meinung von mir in Anbetracht der Masse an entsprechenden Testberichten, die objektiv und genau messen, was ich höchstens sehen könnte. Aber er will nicht, zumindest nicht ganz, denn für mich ist wichtiger was ich sehe, und genau darum soll es hier gehen. Ich sehe in erster Linie einen deutlichen Sprung zu den vorher von Olympus verwendeten Sensoren, und das ist vor allem deswegen positiv, weil damit der Anschluss an die Konkurrenz gefunden wurde. Durch die Fläche bedingt haben die APS-C-Systeme noch immer einen Vorteil von unter einem Lichtwert, in der Praxis spielt der aber für mich keine Rolle, da andere Einflussgrößen, von der Belichtungsmessung bis zu persönlichen Fähigkeiten, deutlich mehr Wirkung entfalten. Dies umso mehr, je schneller es gehen muss. Hinzu kommt, dass es bei den Unterschieden primär um Grenzbereiche geht, nicht nur was die Aufnahmesituation, sondern auch die Ausgabe betrifft. Anders sieht es im Vergleich zum digitalen Kleinbild-Vollformat aus, dass deutlich mehr Reserven und Möglichkeiten bietet, sofern die photographische Praxis diese benötigt.
Ein besonderer Punkt der Sensorleistung ist eine gänzlich neue Funktion, die Olympus LiveTime beziehungsweise LiveBulb nennt. Dabei wird bei einer Langzeitbelichtung in vorher einstellbaren Abständen ein Zwischenbild generiert, dass so den Belichtungsfortschritt anzeigt ohne die Aufnahme zu unterbrechen. Die Funktion selbst ist zwar nicht sehr komfortabel einstellbar, funktioniert aber sehr gut und vereinfacht Aufnahmen von Feuerwerk, Gewittern, Lichtmalerei und allgemein allen Motiven, die während der Belichtung eine entsprechende Entwicklung durchmachen. Damit ermöglicht sie in erster Linie Einsteigern einen leichteren Zugang, da die Lernkurve deutlich steiler ausfallen kann, denn der große Nachteil ist der Verlust an Bildqualität, der umso stärker ausfällt, je mehr Zwischenbilder vorab gezeigt werden. Von wenigen Situationen abgesehen sehe ich für mich also, obwohl ich in der Spielphase noch von der Funktion begeistert war, kaum noch einen praktischen Nutzen. Dementsprechend wurde LiveBulb und LiveTime während der gut anderthalb Jahre kaum eingesetzt.

Olympus hat bereits vor über zehn Jahren, als erste am Markt, ein Sensorreinigungssystem in die Kameras integriert. Es schüttelt mittels Vibrationen, die durch Ultraschall erzeugt werden, den Sensorschmutz förmlich ab (deswegen auch SSWF = Super Sonic Wave Filter) und sorgt so dafür, dass der Sensor deutlich seltener von Hand gereinigt werden muss. In den digitalen Spiegelreflexkameras war dieses System sehr effektiv, deutlich besser als die später entwickelten Systeme anderer Hersteller (ausgenommen Panasonic, die das System von Olympus übernommen haben), doch eine spiegellose Systemkamera mit ihrem fast ständig freiliegenden Sensor stellt höhere Anforderungen. Trotzdem funktioniert es gut, sehr gut sogar und für mich so gut, dass bisher noch keine einzige manuelle Reinigung notwendig war. Und es ist wunderbar, wenn einem die Technik solche lästigen Aufgaben abnimmt.

Akkuleistung

Egal ob das Photo über den Sucher oder das Display gestaltet wird, stets muss der Sensor aktiv sein, damit überhaupt komponiert werden kann. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Akkulaufzeit eher bescheiden ausfällt, näher an der Kompaktkamera als an einer digitalen Spiegelreflexkamera. Und tatsächlich kann man es schaffen, nur relativ wenige Bilder mit einer Ladung machen zu können, im schlimmsten Fall waren es nur 150 normale Aufnahmen. Im besten Fall aber eben auch über 1.200, und das zeigt, dass es sehr stark auf die Nutzung ankommt. Der Sensor selbst ist recht sparsam, das wird besonders bei Langzeitbelichtungsserien deutlich. Gesamtbelichtungszeiten von mehr als viereinhalb Stunden (280 Aufnahmen á 60 Sekunden bei 10° C) im Astronomiebereich oder Belichtungsserien für Zeitrafferaufnahmen (850 Aufnahmen mit acht Sekunden Abstand bei 14° C) machen das mehr als deutlich, vor allem wenn man die Leistung des Akkus von nur 9,3 Wattstunden (nominell) dazu in Relation setzt.
Im normalen Betrieb kommt zum sparsamen Sensor allerdings ein weniger sparsames Display und vor allem ein noch weniger sparsamer Sucher. Um die Akkulaufzeit zu maximieren ist es also sinnvoll, die Abschaltzeit auf das Minimum einzustellen (Menü → Zahnrad D → LCD Bel. auf 8Sek. und Ruhemodus auf 1min) und sich bei der Nachbetrachtung der Aufnahmen mit einer kurzen Kontrolle zu begnügen. Besonders aufpassen sollte man übrigens auf die automatische Umschaltung zwischen Display und Sucher, deren Empfindlichkeit sich nicht einstellen lässt und die daher leicht den Akku sprichwörtlich leersaugen kann, wenn die Kamera am Gurt hängend ständig hin und her wechselt.
Neben der kontinuierlichen Fokussierung bietet die E-M5 auch einen Dauerautofokus, der ohne Eingriff des Photographen aktiv ist. Im Zweifel gewinnt man damit Millisekunden, man verliert aber recht deutlich an Akkulaufzeit. Sofern er nicht benötigt wird, und zumindest ich habe ihn bisher gar nicht benötigt, schaltet man ihn also besser aus (Menü → Zahnrad A → Dauer Auto Fokus. auf Aus). Ähnlich sieht es beim Bildstabilisator aus, den man wahlweise nur während der Aufnahme oder auch bereits bei halbgedrückten Auslöser zur Sucherstabilisierung nutzen kann. Letzteres ist praktisch bei längeren Brennweiten, verbraucht aber ebenfalls spürbar mehr Energie und habe ich deshalb immer dann deaktiviert, wenn ich nicht mit einem Superteleobjektiv photographiere. Bei der Nutzung nur während der Aufnahme (Menü → Zahnrad C → Halb. Auslöser mit IS auf Aus) steigert sich zudem die Leistung, nicht viel, aber man nimmt gern mit was man kriegen kann, immerhin geht es dabei fast immer um die Leistung in Grenzbereichen, in denen sich kleine Unterschiede oft stärker auswirken. Zumindest ist der Unterschied sichtbar, das reicht mir.

Gerade der bereits zuvor angesprochene, mitgelieferte FL-LM2 kann zum Stromschlucker werden, schlicht weil er anders als andere Aufsteckblitze keine eigene Energieversorgung besitzt, sondern über die Kamera versorgt wird. So wird zwar die Baugröße klein gehalten, dafür steigt der Verbrauch spürbar an. Und das nicht nur, wenn er benutzt wird, sondern auch, allerdings in deutlich geringerem Maße, auch wenn er nur aufgesteckt ist.
Mit den beschriebenen Maßnahmen und einer verstärkten Prävisualisierung lande ich regelmäßig bei Akkulaufzeiten von 350 bis 550 Aufnahmen, was in Anbetracht der Akkuleistung durchaus akzeptable Werte darstellen. Aber das ist noch weit entfernt von den zuvor erwähnten 1.200 Aufnahmen, wie kommt man also zu dieser Zahl? Ganz einfach: Serienbildfunktion! 200 bis 300 Serien sind meist möglich, und die Zahl der Aufnahmen dabei fällt nur wenig ins Gewicht. So landen schnell über tausend Bilder auf der Speicherkarte, ohne dass der Akku ein Problem meldet.
Richtig gut wird die Akkulaufzeit insgesamt trotzdem nicht, das ist aber weniger Konzeptbedingt als vielmehr eine Folge des recht kleinen Akkus. Der Ersatzakku gehört bei mir eh zum Standardzubehör einer jeden Kamera, im Falle der E-M5 darf es gern einer mehr sein.

Arbeitsgeschwindigkeit

Geschwindigkeit, Geschwindigkeit, Geschwindigkeit, fast alles dreht sich heute um Geschwindigkeit. Auf der einen Seite kann ich es verstehen, denn es gibt auch bei meiner Photographie Situationen, in denen ich um (übertrieben) jede Millisekunde weniger bei der Arbeitsgeschwindigkeit froh bin. Auf der anderen Seite spielt es bei den meisten Aufnahmen dann doch keine Rolle, besonders nicht die Zeit nach der Aufnahme. Nerven kann es trotzdem, wenn die Kamera zu viel Zeit braucht um für die nächste Aufnahme bereit zu sein. Die E-M5 zeigt hier ihre Schokoladenseite, denn die Geschwindigkeit selbst lässt nichts zu wünschen übrig. Einen Strich durch die Rechnung könnte ihr nur die Speicherkarte machen, denn die hat tatsächlich einen deutlichen Einfluss.
Aus diesem Grund habe ich mit dem hier vorhandenen Material einen kleinen Test gemacht. Unter kontrollierten Lichtbedingungen, mit fest eingestellten ISO 200, Blende 2,0 und 1/1000stel Belichtungszeit, fixiertem Weißabgleich und manueller Fokussierung, Stabilisator aus und als Qualität LSF+RAW musste die Speicherkartenriege in zwei Disziplinen mit jeweils drei Durchgängen antreten. Die erste Aufgabe bestand darin, eine Bildserie mit 7 Aufnahmen, aufgenommen im Hi-Serienbildmodus (9 bps), wegzuspeichern. In der zweiten Disziplin ging es um die Frage, wie lange die Aufnahme von zehn Bildern im Serienbildmodus dauert, wenn der Pufferspeicher der Kamera voll ist. Dargestellt ist die reine Aufnahmezeit sowie die Zeit von Aufnahme und Speicherung, und dann das ganze nochmal umgerechnet in Form der erreichten Serienbildgeschwindigkeit bei vollem Pufferspeicher.

Speicherkartenbezeichnung 7 Bilder Hi-Serie 10 Bilder bei vollem Pufferspeicher
Aufnahme und Speicherung Aufnahme Aufnahme und Speicherung Serienbildrate
SanDisk Extreme Pro 32 GB 95 MB/s UHS-I Class 10 7,6 Sek. 8,7 Sek. 22,9 Sek. 1,2
SanDisk Extreme Pro 16 GB 95 MB/s UHS-I Class 10 7,9 Sek. 8,9 Sek. 22,9 Sek. 1,1
SanDisk Extreme 32 GB 45 MB/s UHS-I Class 10 8,0 Sek. 8,8 Sek. 23,0 Sek. 1,1
Transcend Extreme 8 GB Class 10 12,4 Sek. 14,1 Sek. 35,9 Sek. 0,7
SanDisk Extreme HD Video 8 GB 20 MB/s Class 6 12,5 Sek. 14,1 Sek. 36,3 Sek. 0,7
SanDisk Extreme III 8 GB Class 6 12,5 Sek. 13,7 Sek. 35,3 Sek. 0,7
Transcend Extreme 16 GB Class 10 14,9 Sek. 16,3 Sek. 42,1 Sek. 0,6
SanDisk Ultra SDXC 64 GB 30 MB/s UHS-I Class 10 16,3 Sek. 20,0 Sek. 51,5 Sek. 0,5
SanDisk Ultra 32 GB 15 MB/s Class 4 17,4 Sek. 21,8 Sek. 54,4 Sek. 0,5

Wie man sieht müssen es nicht unbedingt die schnellsten Karten sein, um gute Werte zu erzielen. Sinnvoll ist aber auf jeden Fall der Einsatz von schnellen Speicherkarten, denn der Unterschied ist gewaltig. In der Praxis nutze ich daher, schon rein für die Gemütsruhe, die schnellen Speicherkarten. Wenn die Kamera doch jetzt nur zwei Steckplätze dafür hätte...

Ziele erfüllt?

Die Olympus OM-D E-M5 sollte bei mir ursprünglich die digitale Spiegelreflexkamera auf Reisen ersetzen, um so entweder das Gepäck bei gleicher Leistung zu reduzieren oder eben bei gleichem Gewicht und Packmaß die Flexibilität zu erhöhen, indem eine größere Bandbreite an Objektiven mitgenommen werden kann. Ein recht konservativer Gedanke, denn genau in dieser Disziplinen scheint der Schwerpunkt vieler kompakter Systemkameras zu liegen.
Fast schon erwartungsgemäß erfüllt die E-M5 diese Aufgabe nicht nur zufriedenstellend, sie brilliert geradezu auf diesem Gebiet. Egal ob bei Wanderungen im Gebirge, mehrtägigen Städtereportagen oder einfach nur längeren Abendspaziergängen, der Vorteil von Größe und Gewicht war von der ersten Sekunde an bezeichnend, die Ergebnisse gleichzeitig überragend.
Für mich erstaunlicher war die hohe Leistungsfähigkeit auch abseits des Mobilitätsaspekts. Die Sensorleistungen sind gut genug, um im Sub-KB-Bereich problemlos auf dem gleichen Niveau wie die DSLR-Konkurrenz zu agieren, die Autofokusleistungen reichen auch bei sich schnell bewegenden Motiven zu guten Leistungen, Schnappschusstauglich ist sie durch die kurze Auslöseverzögerung ebenfalls und die hohe Arbeitsgeschwindigkeit wirkt befreiend, wenn man die Einschränkungen gerade bei den kleineren Spiegelreflexkameras kennt. Die Detailauflösung ermöglicht fein durchzeichnete Landschaftsaufnahmen, die Farbwiedergabe ist sowohl bei Natur wie auch bei Portraits als ausgewogen zu bezeichnen und gerade bei Spezialanwendungen, die eine hohe Standzeit erfordern sticht sie besonders hervor. Dazu kommen die Qualitäten, bei denen sie nicht aufschließt, sondern neue Maßstäbe setzt. Sei es die direkte Kontrolle des Bildes im Sucher, die reduzierten Erschütterungen durch den fehlenden Spiegelschlag (auch wenn hier die Verschlussvibration Grenzen setzt und einmal mehr den Wunsch einer vollelektronischen Kamera hervorruft) oder die Stabilisierung über fünf Achsen, die sich gerade auch bei der Videoaufzeichnung, sonst keine besondere Stärke der Kamera, zeigt.
Aus meiner Perspektive ergibt sich das Bild eines Allrounders, der sich bei mir in vielen Bereichen durchsetzen konnte. Keinesfalls eine perfekte Kamera, davon ist sie leider noch weit entfernt, aber auch ebensowenig eine Kompromisslösung, die zugunsten von Größe und Gewicht andere relevante Punkte in ihrer Leistungsklasse über Gebühr vernachlässigt. Der große Kritikpunkt ist und bleibt leider noch immer das System drumherum, also primär die Objektivpalette, die zwar die am besten ausgebaute im Bereich der kompakten Systemkameras ist, die aber noch immer viele Bereiche nicht oder nur unbefriedigend abdeckt und so im Endeffekt auch den Nutzen der Kamera einschränkt.
Abgesehen von der Möglichkeit, nicht nur meine Reiseausrüstung zur verschlanken, sondern auch Kameras in anderen Bereichen zu ersetzen kommt für mich noch ein weiterer Punkt zum tragen. Die Olympus OM-D E-M5 zeigt, was ohne Spiegelreflexsucher bereits heute möglich ist und welche Einschränkungen real noch bleiben. Heute ist sie nicht mehr die einzige Kamera, die entsprechende Leistungen zeigt, aber mit ihrem Erscheinen war sie die erste und hat damit auch den Markt geprägt.
Und was kommt danach? Bei mir folgte auf die E-M5 eine E-M5, als zweites Gehäuse zur weiteren Erhöhung der Flexibilität. Trotz ihrer Schwächen konnte und kann sich mit bei jedem Einsatz aufs neue Überzeugen, und so bin ich mir sicher, wird sie auch die nächsten Jahre mein Werkzeug für eine breite Zahl an Anwendungen sein. Zudem läutet sie für mich persönlich das Ende meiner Spiegelreflexära ein, denn ich bin mir sicher, auch in anderen photographischen Spezialgebieten schon bald ohne Spiegel auszukommen. Vielleicht sogar mit mehr Genuß beim Photographieren.

Die Moral von der Geschicht'

Es scheint, als tendiert die Photographie zu einer ständigen Dualität, einem schwanken zwischen Extremen, egal um welchen Aspekt es sich handelt. Das beginnt schon in den Grundsätzen:
Photographiere ich, oder knipse ich nur? Mache ich Aufnahmen für mich, oder für andere? Bin ich hier, weil ich photographieren will oder photographiere ich, weil ich hier bin? Versuche ich ein Motiv zu inszenieren oder mich nur daran zu erinnern? Kompakt- oder Spiegelreflexkamera, genau das war die entscheidende Wahl, die anhand der vorherigen Fragen getroffen wurde, die aber auch oft zu zwangsweiser Beantwortung der Fragen führte, immer dann, wenn man sich festgelegt hat und später feststellt, dass es anders besser gewesen wäre. Der Zweiklang von einer vermeintliche professionellen Ausrüstung im meist großen Gewand und einer vermeintlich schlechten Qualität in leichter Robe galt als in Stein gemeißelt. Natürlich gab es Annäherungen, aber die Grenzen waren klar abgesteckt.
Und dann kommt eine Kamera wie die Olympus E-M5, die alles auf den Kopf zu stellen scheint und die plötzlich mehr Fragen beantworten als aufwerfen, die mehr Probleme lösen als neue schaffen soll. Die Vorstellung und Einführung der E-M5 war im Bereich der Photographie ein mediales Ereignis. Bereits Wochen vor der offiziellen Ankündigung kursierten Gerüchte, Bilder und vermeintliche Insiderinformationen durch das Netz, und in den Wochen nach der Vorstellung gab es dutzende Testberichte, Kurzpräsentationen und Beispielaufnahmen - noch bevor auch nur ein einziges Exemplar die eigentlichen Kunden erreichten. Die mussten für eine zügige Auslieferung bereits frühzeitig vorbestellt haben, denn die Stückzahl deckte über lange Zeit nicht annähernd den Bedarf, der durch erste überschwängliche Berichte der Nutzer noch gesteigert wurde. Entsprechend schnell entwickelten sich auch kritische Gegenstimmen, die den ins unermessliche gestiegenen Vorschusslorbeeren wahre Abgründe entgegenstellten. Und schon war sie wieder da, die Dualität in der Photographie, ausgerechnet bei der Kamera, die Welten vereinen sollte.

Innerhalb dieses ersten Jahres reifte in mir die Erkenntnis, dass die Gegensätze nie auszuräumen sein werden, sondern sich stets nur verlagern. Der größte Vorteil der E-M5 ist und bleibt ihre beeindruckende Fähigkeit zur unauffälligen Präsenz, ihre nicht wahrnehmbare Allgegenwart. Es ist nicht der geniale Bildstabilisator, den man als Alientechnologie bezeichnen sollte, sondern die integrierte Tarnkappe, die dafür sorgt, dass man als Photograph mit hohen Ansprüchen an die Gestaltung und Qualität eines Bildes doch Teil der Masse wird, in der man sich bewegt, mit der Umgebung verschmilzt und daher Aufnahmen erstellt, deren Unmittelbarkeit einen Wert darstellen, der viele technische Nachteile ausstechen kann. Die ständige Verfügbarkeit einer leistungsfähigen Kamera in allen Situationen ermöglicht jene Aufnahmen, für die man bisher einfache Kompaktkameras nutzte, mit den entsprechenden Einbußen in der Qualität. Damit kombiniert die E-M5 die beiden wichtigsten Aspekte der photographischen Arbeit, die unmittelbare Möglichkeit zum Ausnutzen einer Situation und eine hohe technische Bildqualität, die einen Großteil der möglichen Ausgabezwecke sowohl in der privaten als auch der beruflichen Photographie abdeckt. Es bleibt nurmehr die Qualität des Photographen, sein Ideenreichtum, sein Gestaltungsgeschick, sein Reaktionsvermögen und letztlich seine Fähigkeit zur Realisierung seiner Vorstellungen, egal ob es um die journalistische Arbeit, einen persönlichen Photoessay oder doch ein kunsthandwerkliches Schaffen geht, die über die aufgezeichneten Photos entscheidet.
Daraus ergibt sich natürlich auch, dass die Kamera nicht nur ein Kompromiss ist, sondern wohl mehr als viele andere von dieser Kompromissfähigkeit lebt. Für das gleiche Geld bekommt man ohne Zweifel eine Kamera, die eine höhere technische Bildqualität bietet, eine die einen schnelleren Autofokus ermöglicht oder eine die leichter, kompakter und unauffälliger ist. Aber man bekommt nur wenige Pakete, die in der Lage sind, eine ähnlich große Bandbreite an Motiven und Aufnahmesituationen mit der gleichen Mobilität und Ergebnisqualität abzudecken. Die Dualität verschiebt sich vom Gegensatz zwischen maximaler Leistung und maximaler Mobilität hin zur Frage, ob es eine maximale Spezialisierung oder maximale Allzweckfähigkeiten sein sollen. Und letztere bietet die Olympus E-M5, eingebettet in ein inzwischen gut ausgebautes (aber noch längst nicht vollständiges) System, nicht als einzige, aber in der Art und Weise als Erste. And the Times They Are a-Changin’

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