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Autor: Sascha Stewen
Veröffentlicht: 21. September 2016

Erfahrungsbericht: Leuchtpunktvisier Olympus EE-1 Dot Sight

Punkt und Schuss

Nachdem Olympus vor über zwei Jahren mit der Stylus SP-100EE Eagle Eye die erste Digitalkamera mit integriertem Leuchtpunktvisier auf den Markt gebracht hat folgte nun mit dem Olympus EE-1 Dot Sight der Versuch, diese Technik der großen Welt der Systemkameras und vor allem deren Nutzern zugänglich zu machen. Haupteinsatzgebiet ist nach Herstellerangabe die Wildvogelphotographie mit Superteleobjektiven, handelt es sich also um eine Problemlösung für Spezialisten?

Leuchtpunktvisier, das klingt zunächst nicht nach Kamerazubehör, sondern wird eher mit Waffentechnik assoziiert. Ganz falsch ist dies nicht, denn üblicherweise ist es auf Schusswaffen zu finden. Die grundsätzliche Technik findet allerdings deutlich weitere Verbreitung etwa in der Luftfahrt oder der Fahrzeugtechnik und hat mit den Leuchtrahmensuchern sogar einen Verwandten, den viele Photographen noch kennen dürften.

Allen Anwendungsarten gemein sind zwei wesentliche Eigenschaften: zum einen werden Informationen “in die Unendlichkeit” projiziert, obwohl sich das Gerät selbst im Nahbereich befindet, zum anderen entsteht in einem relativ großen Sichtbereich nahezu keine Parallaxenverschiebung beim Einblick. Aus dem Grund eignet sich die Technik besonders dafür, schnell Informationen zu vermitteln ohne die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Ziel abzulenken. So können etwa Geschwindigkeitsangabe auf die Frontscheibe des Autos lesbar dargestellt werden, obwohl der Blick des Fahrers auf der Straße liegt. Genauso kann im Flugzeug ein künstlicher Horizont ins Sichtfeld projiziert werden, und bei der Jagd liegt nicht nur das Fadenkreuz direkt auf dem Ziel, sondern es ist auch möglich, deutlich entspannter beide Augen geöffnet zu lassen. Genau dies möchte Olympus nun auch für Photographen erreichen. Wieso ist das Interessant?
Spiegelreflexkameras konnten sich am Markt weitgehend durchsetzen, weil sie unter anderem den tatsächlichen Bildausschnitt, inklusive der gerade mit längeren Brennweiten einhergehenden Vergrößerung, im Sucher darstellen. Auch die meisten spiegellosen Systemkameras besitzen diesen Vorteil, wenn auch elektronisch gebildet über eine Darstellung des Sensors. Was für die genaue Bildkomposition von Vorteil ist, wird schnell zum Nachteil, wenn mit starker Vergrößerung ein nur schwer auszumachendes Motiv gefunden werden soll, besonders, wenn sich dieses auch noch bewegt. Nicht nur, dass schon eine kleine Unaufmerksamkeit ausreicht um das Ziel zu verlieren, auch die notwendigen Einschränkungen der Technik stellen eine Hürde da; die Dunkelphasen zwischen zwei Aufnahmen oder die Zeit zur Fokussierung gerade bei verlorenem Fokus können ebenfalls zum Zielverlust führen. Modelle für professionelle Einsatzzwecke in der Sportphotographie bieten hier zwar eine bessere Technik, ebenso hat der technische Fortschritt auch die Qualität bei günstigeren Modellen in der Hinsicht verbessert, das grundlegende Problem bleibt allerdings bestehen und kann schnell frustrierend werden, gerade wenn der Geldbeutel keine Anschaffung von Spitzenequipment erlaubt.

Funktionsprinzip und Konstruktion

Das Olympus EE-1 Dot Sight besteht im Kern aus einer roten Leuchtdiode, die eine Markierung (eine Kombination aus Fadenkreuz und Zielkreis) auf einen gebogenen, dichroitischen Spiegel projiziert. Dabei handelt es sich um eine bedampfte Glasscheibe, die nur einen Teil des Lichtes (in diesem Fall einen Teil des roten Farbspektrums) reflektiert. Die Krümmung wiederum ist notwendig, um die Strahlen parallel auszurichten und so den Eindruck zu erwecken, die Zielmarkierung liege im Unendlichen.
Abseits der optischen Komponenten besitzt das EE-1 ein Kunststoffgehäuse, das weder hochwertig noch billig wirkt, gleiches gilt auch für den Ausklappmechanismus, der zwar etwas Spiel aufweist, aber eben nicht filigran konstruiert ist. Die Zusammenklappbarkeit ist ein großer Vorteil, da zum einen der Aufstecksucher bei Nichtgebrauch wenig Platz in der Phototasche einnimmt, zum anderen so auch ein Schutz der optischen Komponenten vor Staub und Feuchtigkeit (und natürlich auch gegen Sonneneinstrahlung) besteht. Eine spezielle Abdichtung besitzt er hingegen nicht im Ausklappbereich, lediglich die Elektronikkomponenten (Batteriefach, Diode) sind entsprechend geschützt. Die Werbung von Olympus bezüglich der Staub- und Wasserresistenten Konstruktion ist also in dem Punkt korrekt. Übrigens befindet sich im vorderen Bereich intern ein kleiner Druckknopf, der beim Zusammenklappen von der einklappenden Projektionsscheibe gedrückt wird und den EE-1 ausschaltet, auch wenn man nicht das dafür vorgesehen Drehrad nutzt. Kühlschränke sind halt auch in Japan bekannt. Drei Einstellräder besitzt der Olympus EE-1; der vorne links schaltet das Gerät ein und regelt die Helligkeit in fünf Stufen, die beiden hinten rechts und links erlauben die Kalibrierung der Zielmarkierung. Sie sind in meinen Augen ungünstig platziert, da sie relativ nah am Feststellring für die Blitzschuhmontierung sitzen und so beim An- und Abschrauben an die Kamera relativ leicht ungewollt mit bewegt werden können. Im Einsatz habe ich mir so mehr als einmal eine bereits funktionierende Kalibrierung wieder verstellt und durfte beim nächsten Einsatz mit einer solchen nochmal neu starten. Ärgerlich, da diese nicht einfach durchzuführen ist.

Parallaxe und Kalibrierung

Die Güte eines Leuchtpunktvisiers erkennt man unter anderem auch daran, wie stark sich die Zielmarkierung gegenüber dem tatsächlichen Ziel verschiebt während man das Auge hinter dem Einblick bewegt. Im Idealfall ist das Visier parallaxenfrei, was bedeutet, dass es gar keine Verschiebung gibt. Das trifft auf das EE-1 leider nicht zu, wäre allerdings in diesem Preisbereich auch eine Überraschung. Allerdings hält sich die Verschiebung beim Einblick im Zentrumsbereich, also so, wie man üblicherweise in das Visier schaut, so stark in Grenzen, dass “nahezu parallaxenfrei” nicht übertrieben ist. Erst anm Rand des Einblicks findet eine starke Wanderung der Markierung statt. Dies ist gerade auch in Anbetracht des Preises ein sehr gutes Ergebnis, das viele Billiglösungen, die mit kleinen Umbaumaßnahmen auch an die Kamera angesetzt werden können, so nicht erreichen.
Parallaxenfrei bezieht sich dabei natürlich nur und ausschließlich auf den Einblick, denn wie jeder andere externe Sucher auch gibt es selbst bei dem besten Leuchtpunktvisier, und damit auch beim EE-1, einen Parallaxenunterschied gegenüber dem Aufnahmebereich. Aus diesem Grund ist eine Kalibrierung des Olympus EE-1 notwendig, die auf zweieinhalb Arten erfolgen kann:

Kalibrierung auf einen festen Parallelabstand

Links das Ausmessen des Wert X, in der Mitte die Vorbereitung des Messblatts, rechts die Kalibrierung

Zunächst messen wir den Abstand zwischen der optischen Mittelachse des Objektivs und der Basis des Blitzschuhs, zu diesem Wert (in der Grafik Wert X) addieren wir noch die mittlere Höhe des optischen Systems des Olympus EE-1 (40,3 mm). Die Summe ergibt den Wert des festen Parallelabstands, den wir nun als Abstand zwischen zwei Markierungen auf einen Bogen Papier übertragen. Dieses Papier befestigen wir an einer senkrechten Fläche, etwa einer Tür, und richten die Kamera mittels Stativ so aus, dass die mittlere Fokusmarkierung auf die untere Markierung fällt. Der Olympus EE-1 wird nun auf die obere Markierung eingestellt, fertig ist die Kalibrierung.
Da die beiden Sichtlinien der Zielmarkierung und des Fokuspunkts parallel verlaufen, ändert sich deren Abstand nie. Egal mit welchem Objektiv oder auf welche Fokusentfernung wir photographieren, der Fokuspunkt liegt auf dem Motiv um exakt dem zuvor ermittelten Wert unterhalb unserer Zielmarkierung. Bei Motiven, die größer als der Parallelabstand sind (bspw. Flugzeuge, Autos, Großwild) brauchen wir nichts weiter zu beachten, bei kleineren Motiven muss dieser leichte Versatz immer einkalkuliert, also immer leicht über das Motiv gezielt werden. Dies erfordert etwas Übung, ist dafür aber universell einsetzbar.

Diese Darstellung zeigt die Lage der Zielmarkierung und des Fokuspunktes sowie den Blick durch das Leuchtpunktvisier bei der Kalibrierung auf einen festen Parallelabstand

Kalibrierung auf eine feste Entfernung

Wenn es doch genauer sein soll, muss der Motivabstand bekannt sein, so dass die Kalibrierung genau auf einen Punkt erfolgen kann. Hierzu ist es wieder empfehlenswert, die Kamera per Stativ genau auf einen festen Punkt im gewünschten Abstand auszurichten. Nun wird auch der EE-1 entsprechend auf genau diesen Punkt ausgerichtet, fertig ist die Kalibrierung auf eine feste Entfernung. Befindet sich das Motiv später näher zur Kamera, so muss entsprechend höher gezielt werden, bei einer größeren Distanz entsprechend niedriger. Die Mindestdistanz hängt von der verwendeten Kamera ab, da die Höhe zwischen optischer Mittelachse und EE-1 eine Rolle spielt, liegt aber deutlich über den üblichen Makroabständen und eher im Bereich von 1,5 Metern aufwärts. Für einen Einsatz im Makrobereich muss also eine alternative Befestigung genutzt werden, beispielsweise eine Bastellösung für die Montage neben der Kamera.

Diese Darstellung zeigt die Lage der Zielmarkierung und des Fokuspunktes sowie den Blick durch das Leuchtpunktvisier bei der Kalibrierung auf eine feste Entfernung

Kalibrierung auf “Unendlich”

Wenn man die Varianten klassifizieren wollte, so könnte man bei der Kalibrierung auf “Unendlich” von einer Unterart der Kalibrierung auf eine feste Entfernung sprechen. Tatsächlich ist der Ablauf genau der gleiche, mit dem Unterschied, dass man unabhängig vom vorgesehenen Motivabstand ein Ziel auf großer Distanz verwendet. Durch den geringen Parallaxenabstand spielt die Abweichung auf größere Entfernungen eine immer kleinere Rolle, ist das Motiv zudem noch groß genug, erhält man so eine schnelle und hinreichend genaue Kalibrierung. Für die meisten Aufnahmesituationen nutze ich diese Variante, schlicht und einfach, weil sie schnell, effektiv und ohne große Hilfsmittel direkt “im Feld” erledigt werden kann.

Praxiserfahrungen

Eine klassische Flugschau stellt zwar nicht besonders hohe Anforderungen an die Technik, ist aber das ideale Einstiegsterrain, um sich mit dem Olympus EE-1 vertraut zu machen. Aufgrund der großen Entfernung zu den Maschinen und weil ich die vorher mühsam erarbeitete Kalibrierung beim Aufstecken des Suchers auf die Kamera wieder zunichte gemacht habe, entschloss ich mich auf eine einfache Kalibrierung auf “Unendlich”, die mit etwas Mühe sogar ohne Stativ möglich ist. Die Präzision war ausreichend.
Bei den ersten Vorbeiflügen war die Verfolgung erwartungsgemäß kein Problem, selbst wenn bei kontrastschwachen Motiven der kontinuierliche Autofokus zwischenzeitlich verloren ging, was ohne Zusatzsucher zu Problemen bei der Wiederauffindung des Motivs geführt hätte. Notwendig war der kontinuierliche Autofokus bei diesen Motiven natürlich nicht, für den Test nutzte ich ihn aber trotzdem. Ein großes Problem hingegen stellte sich schon recht bald heraus, denn durch die fehlende Rahmeneinblendung war der Bildausschnitt mehr als einmal nicht klar, das Motiv doch näher als Gedacht und die Zoomreichweite zu üppig. Herausgekommen ist dann ein deutlich zu enger Beschnitt, hier hilft nur Übung und Erfahrung.

Angenehmer war gerade bei schnellen Manövern mit mehreren Maschinen die Übersicht, die man mit einem solchen Sucher ohne Vergrößerung erhält. Zwar ist es dank hoher Serienbildrate und zwei offenen Augen auch ohne Spezialsucher mit etwas Übung möglich, den besten Augenblick zu erwischen wenn sich die Maschinen scheinbar begegnen, so komfortabel wie mit dem EE-1 war es hingegen bisher für mich noch nie. Zudem merke ich über einen ganzen Tag eine deutlich geringere Ermüdung der Augen. Besonders gegenüber der sonst einäugigen Kameranutzung, wie sie bei mir üblich ist, ist der zweiäugige Blick in die Ferne entspannend, und liefert gleichzeitig den besseren Überblick wenn es dann doch mal etwas schnell, großräumiger und Höhepunktreicher zugeht.

Olympus hebt die Wildvogelphotographie mit Superteleobjektiven besonders hervor, und in der Tat erscheint der Sucher dafür aufgrund der deutlich weniger vorhersagbaren Bewegungen sinnvoller. Trotz einiger Erfahrungen ist es nicht mein Schwerpunktthema, was schon an der verwendeten Ausrüstung deutlich wird. Gerade deswegen war es aber überraschend, wie gut und einfach die Zielfindung und -verfolgung funktionierte, und wie gut die Ergebnisse gegenüber der normalen Suchernutzung ausfielen. Verwendet habe ich dafür eine Kalibrierung auf eine feste Entfernung von etwa 100 Metern, so dass ich im typischen Aufnahmebereich zwischen 50 und 150 Metern eine Abweichung der Zielmarkierung von maximal 6 cm hatte - klein genug für die Vögel, die ich aufnehmen wollte. Problemlos konnte ich ihren Bewegungen folgen, und auch die Kamera hatte kaum Probleme, die Fokussierung nachzuführen.
Wenn dies mit Vögeln schon so gut klappt, was ist dann bei Insekten möglich? In der Tat war es schon lange eine fixe Idee, Schmetterlinge im Flug aufzunehmen. Komplizierte Photofallen waren dabei weniger mein Wunsch, vielmehr sollte es ohne großen technischen Aufwand möglich sein, auch, um etwa die Artenvielfalt von Schmetterlingshäusern nutzen zu können. Eingestellt auf eine Entfernung von gut einem Meter war von Anfang an klar, dass es viel Ausschuss geben wird. Trotzdem sind die Ergebnisse vielversprechend, und es entstanden Aufnahmen, die ich so bisher noch nie erstellen konnte - allerdings ohne Autofokus.

Wirft man einen Blick in die gängigen Photoforen, so gibt es anscheinend zwei große Themenfelder, die neben der Vögeln immer wieder gern zur Bewertung von Fokusleistungen herangezogen werden: laufende Hunde und fahrende Modellboote. Ich bin Tier- und Hundefreund, habe aber selbst keinen passenden Vertreter für etwaige Experimente zur Hand und ehrlich gesagt auch wenig Interesse an derlei Aufnahmen. Also habe ich mich an den Modellrennbooten versucht, auch, weil ich damals im Langzeiterfahrungsbericht zur Olympus E-M5 eine Aussage getroffen habe, die ich nun noch einmal überprüfen möchte:
“Für hervorragende Leistungen auf dem Niveau der gängigen semiprofessionellen Spiegelreflexkameras benötige ich mit der E-M5 sehr viel Übung mit der Kamera und Erfahrung mit den Motiven, dann sind aber auch schnelle Motive machbar. Der Ausschuss ist höher, die Quote dementsprechend geringer, die Qualität hingegen braucht keinen Vergleich zu scheuen. Die größte Hürde ist es, das Motiv im Sucher und vor allem im Fokusbereich zu halten.”

Mit dem Olympus EE-1 ist genau das kein Problem mehr, wie wirkt sich also seine Verwendung auf die Autofokusleistungen einer darauf nicht spezialisierten Kamera wie der E-M5 aus? Enorm! Wieder habe ich den Leuchtpunktsucher auf eine feste Entfernung kalibriert, Referenzpunkt war diesmal etwa die Mitte der Geraden, auf der ich hinterher die Frontalaufnahmen machen wollte. So habe ich ein gutes Zielfenster mit akzeptabler Abweichung für die Boote, die selbst recht kompakt gebaut sind, aber hohe Geschwindigkeiten erreichen und durch die Bewegungen des Wassers durchaus auch unberechenbare Sprünge zur Regelmäßigkeit werden lassen. Die größte Hürde bei den Aufnahmen waren dann auch die Folgen dieser Bewegungen, weil Gischt und Spritzwasser für den Autofokus genauso attraktiv sind wie das Rennboot selbst. Mit den Ergebnissen war ich dennoch mehr als zufrieden.

Hinweis: Die komplette Serie an Bildern könnt ihr in unserem Flickr-Album zum Thema Olympus EE-1 Dot Sight in voller Auflösung betrachten.

Alle bisher genannten Praxiseinsätze erfolgten bei mehr oder weniger gutem Licht. Hierbei zeigte sich, dass die Abstufung der Helligkeit von Olympus durchaus gut gewählt wurde, bei schwächeren Lichtverhältnissen oder im Schatten sorgte Stufe 1 für eine sichtbare, aber nicht blendende Markierung, bei sehr starker Mittagssonne konnte Stufe 5 trotzdem noch leicht erkannt werden. Ob es nun unbedingt fünf Stufen sein mussten, oder ob nicht drei auch gereicht hätten, sei dahingestellt; die Abstimmung passt jedenfalls. Ein Leuchtpunktvisier ist aber nicht nur bei Aufnahmen am Tage von Vorteil, gerade bei der Astrophotographie erscheint die Übersicht gegenüber dem recht kleinen Bildausschnitt mit einem Teleobjektiv oder auch einem Teleskop zum Auffinden des gewünschten Himmelsobjekts als große Hilfe. Diese Erkenntnis ist natürlich nicht neu, und so findet diese Technik bereits weite Verwendung, allen voran durch die berühmten Telrad-Sucher. Das Olympus EE-1 Dot Sight könnte eine kleine und leichte Alternative sein, könnte deswegen, weil es schlicht zu hell dafür ist. Selbst auf der niedrigsten Stufe überstrahlt es in der Nacht den Himmel dermaßen, dass selbst hellere Sterne nicht mehr zu erkennen sind, obwohl sie mit bloßem Auge locker gesehen werden können. Ich verwende ihn trotzdem mit der typischen Zwei-Augen-Technik, weil er so zwar nur grenzwertig genutzt werden kann, aber doch eine bessere Zielquote aufweist als sich mit dem Teleobjektiv von Stern zu Stern zu navigieren. Eine Astromodifikation ist von mir aber schon angedacht, und ich hoffe, Olympus liest mit.

Systemintegration

Das Olympus EE-1 Dot Sight ist zwar ein Kamerazubehör, aber kein Systemzubehör. Das hat den Vorteil, dass es universell auf jeder Kamera mit einem Standard-Blitzschuh einsetzbar ist, egal von welchem Hersteller diese stammt. Es führt aber auch zu dem meiner Meinung nach großen Nachteil, dass es keine Systemintegration gibt und somit viele Möglichkeiten verpasst wurden, aus diesem eher “dummen” Zubehör einen echten Mehrwert für das gesamte Micro-Four-Thirds-System zu schaffen. Eine automatische Entfernungsanpassung, eine Einblendung des gerade gewählten Bildausschnitts, der Autofokusfelder oder rudimentärer Kameradaten wären eine enorme Bereicherung der Fähigkeiten und würden die Leistungsfähigkeit deutlich steigern. Auch wenn der Preis entsprechend höher ausfallen müsste, so wäre mir bei einem solchen Spezialzubehör der Mehrwert den Mehrpreis wert. Vielleicht denkt Olympus ja über ein EE-2 System Dot Sight nach?

Fazit

Vor Jahrzehnten gab es eine große Vielfalt unterschiedlicher Sucher am Markt, viele spezialisiert auf ein bestimmtes Einsatzgebiet. Heute ist davon im Massenmarkt nicht viel geblieben, neben den allgegenwärtigen TTL-Suchern (Through-the-Lens, also durch das Objektiv, egal ob als optische oder elektronische Variante), zu denen auch die Displays selbst gehören, findet man Alternativen nur noch selten. Das ist zum einen Nachvollziehbar, da eben jene TTL-Sucher nicht nur die besten Allroundeigenschaften bieten, sondern in vielen Einsatzgebieten auch die beste Lösung darstellen. Auf der anderen Seite ist das Schade, weil trotz einem sehr hohen Standard Speziallösungen für bestimmte Aufgaben noch immer das bessere Mittel zum Zweck sind.
Das Olympus EE-1 Dot Sight bietet noch viel Verbesserungspotenzial, ist gleichzeitig aber in seinem Aufgabengebiet in vielen Punkten konkurrenzlos und - und das ist der wichtigste Punkt - wirklich nützlich. Ich bin geneigt zu schreiben, es sei eine Problemlösung für Spezialisten. Das stimmt, was die Motivwelt angeht, denn für den allgemeinen Gebrauch ergibt es keinen Sinn. Das stimmt aber nicht, wenn es um die Tiefe des Hobbys (oder des Berufs) geht. Denn gerade mit einer einfacheren Ausrüstung ist der Vorteil enorm und eine Anschaffung überlegenswert (mit einer spezialisierten Ausrüstung wird der Vorteil geringer, verschwindet aber nie). Gegenüber den Selbstbaulösungen ist es dabei unbestritten spürbar kompakter, meiner Meinung nach auch einfacher in der Handhabung und von besserer Qualität, wenn bei der Selbstbaulösung nur ein Billigvisier verwendet wird. Einen Hype sollte es um dieses Zubehör allerdings wirklich nicht geben, denn im Endeffekt ist und bleibt es eine Problemlösung für Spezialisten (jetzt habe ich es doch geschrieben); allerdings nicht nur für die Wildvogelphotographie mit Superteleobjektiven. Vielleicht sollte Olympus hier noch mal um- und weiterdenken, nicht nur was die Werbung angeht.

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