HauptseiteErfahrungsberichte

Autor: Sascha Stewen
Veröffentlicht: 11. Dezember 2012

Erfahrungsbericht: Vixen Polarie

Mit den Sternen reisen...

Im Urlaub zieht es uns oft in die Ferne, und nicht selten erstaunt dort der Blick in den Himmel. Abseits unserer lichtverschmutzten Städte zeigt sich ein Firmament, das die meisten Menschen zum Träumen einlädt. Hunderte, gar tausende Sterne und eine prächtige Milchstraße regen die Phantasie an, versetzen uns gedanklich auf fremde Planeten, erinnern uns an unsere Jugend und machen uns klar, wie klein und zerbrechlich nicht nur wir selbst, sondern auch unser Planet ist. Gerade für enthusiastische Photographen liegt es nahe, diesen Eindruck nicht nur im Geiste festzuhalten, sondern auch eigene Aufnahmen anzufertigen. Oft sind die Versuche aber ernüchternd, denn gerade bei den notwendigen längeren Belichtungszeiten macht sich die Rotation der Erde in der Aufnahme bemerkbar, indem sie die punktförmigen Sterne zu feinen Fäden verzerrt, die sich konzentrisch um den Himmelspol legen. Die so entstandene Strichspuraufnahme besitzt ihren eigenen ästhetischen Reiz, bietet aber kaum noch einen erkennbaren Bezug zum wahrgenommenen Himmel. Ein kleiner weißer Kasten soll Abhilfe schaffen.

Um die Erddrehung auszugleichen, nutzen Astrophotographen spezielle Montierungen, mit denen die Kamera mit angepasster Geschwindigkeit nachgeführt wird. Die Bandbreite entsprechender Lösungen reicht von handbetriebenen Selbstbaumontierungen bis hin zu stationären Konstruktionen, wie sie etwa in Sternwarten zu finden sind. Den Komfort einer automatischen Nachführung bei gleichzeitig kompakten Abmessungen und geringem Gewicht bieten allerdings nur wenige Modelle.

Die Vixen Polarie sieht im ersten Moment aus wie eine zu groß geratene Kompaktkamera. Was sich mit Blick auf ihr primäres Einsatzgebiet, die Astrophotographie, als designerisches Spiel einordnen lässt, wird bei näherer Betrachtung allerdings auch aus praktischen Gründen verständlich. So verbirgt sich in der silbernen, an ein geschlossenes Objektiv erinnernden Abdeckung die sich bewegende Halterung für die Kamera. Das Moduswählrad ist nicht nur Zierde, sondern erlaubt die Einstellung der verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten, der Zubehörschuh dient als Aufnahme für einen optionalen Kompass und das Sucherguckloch ist ein rudimentärer Polsucher, der eine schnelle, dafür selbstverständlich nur grobe Einnordung ermöglicht. Natürlich hätte man diese Komponenten auch anders unterbringen können, ohne Anleihen am Aussehen einer Kamera zu nehmen. Aber warum auf Schönheit verzichten, wenn die Funktion darunter nicht leidet?

Die Wertigkeit der Verarbeitung, die Materialauswahl und das Gewicht hinterlassen keinen Zweifel an der Qualität der Vixen Polarie. Inklusive Akkus, zwei Mignonzellen werden benötigt, bringt die in einem Aluminiumgehäuse untergebrachte Montierung ein Gewicht von knapp 800 Gramm auf die Waage und damit auch auf das Stativ. Hinzu kommt dann noch der Kugelkopf zwischen Montierung und Kamera, und natürlich die Kamera selbst. Dabei soll die Belastungsgrenze laut Datenblatt bei 2.000 Gramm liegen und reicht demnach nicht nur für professionelle Kompakt- und spiegellose Systemkameras, sondern auch für digitale Spiegelreflexkameras. Das Schneckenrad der Polarie besitzt bei einem Durchmesser von 57,6 mm 144 Zähne und besteht aus einer Aluminiumlegierung. Die Schnecke ist aus Messing gefertigt und besitzt einen Durchmesser von 9mm. Den Antrieb übernimmt ein präziser Schrittmotor.

Die mitgelieferte Bedienungsanleitung ist, obwohl nur ein kleines Heftchen, deutlich mehr als eine reine Funktionserklärung. So wird nicht nur auf die Polarie selbst eingegangen, sondern auch grundlegende Hinweise und Hilfestellungen für einen erfolgreichen Start in die Astrophotographie vermittelt. Der dürfte angesichts der guten Erklärungen und einfachen Bedienung auch Anfängern leicht fallen, zumindest sofern vor dem Einsatz in der Nacht der Aufbau und die Ausrichtung bereits bei Tageslicht einmal durchgespielt wurden.

Als standesgemäße Umgebung wählten wir für den Test der Vixen Polarie die Schweizer Alpen. Schon auf dem Weg zum 1.800 Meter hohen Zielgebiet wurde der Vorteil dieser kompakten Lösung deutlich, konnte sie doch ohne Probleme zusammen mit der restlichen Ausrüstung in der Phototasche transportiert werden. Auch das Ein- und Ausrichten gestaltete sich weitgehend problemlos und benötigte nach einiger Übung keine zehn Minuten. Auf einem festen Untergrund aufgestellt wurde der Polarstern zunächst durch die zentrale Öffnung, dann durch den angedeuteten Sucher anvisiert. Schließlich wurde der optionale Polsucher zur Feinjustierung verwendet. Hierbei wurde dann auch das eigentliche Problem deutlich, denn der Polsucher ist nicht beleuchtet und dementsprechend seine Markierungen kaum zu erkennen. Anstatt als einfache Variante eine Beleuchtung über die Polarie anzubieten (der Modus dafür ist bereits vorhanden, beleuchtet aber nur den integrierten Winkelmesser), verweist die Bedienungsanleitung auf die Nutzung einer Rotlichtlampe, mit der man schräg von vorn in den Polsucher leuchten solle. Dafür wird allerdings, neben der generell zu empfehlenden Rotlichtlampe auch eine dritte Hand benötigt, da zum Einrichten bereits die Polarie selbst und die Fixierung des Kugelkopfes bedient werden müssen. Tauscht man letzteren durch einen Getriebeneiger, was zur Erhöhung der Genauigkeit bei der Einrichtung sinnvoll ist, lässt sich die Polarie mit Rotlicht auch ohne Hilfe ausrichten. Es bleibt aber der Beigeschmack einer Bastellösung.


Die Olympus OM-D E-M5 und das Olympus M.Zuiko Digital 45mm F1,8, die in Kombination gut 560 Gramm wiegen, kamen als photographische Ausrüstung zum Einsatz. Wir testeten die Montierung aber auch mit dem Olympus Zuiko Digital ED 70-300 F4,0-5,6, das zusammen mit der Kamera etwa 1.270 Gramm auf die Waage bringt und zudem einen nicht unerheblichen Hebelarm aufweist.
Für den ersten Vergleich haben wir die Polarie nur mit dem integrierten Sucherguckloch ausgerichtet. Ziel war das Sternbild Kassiopeia, aus der wir die M103 für den Vergleich auswählten. Links das nicht nachgeführte Referenzbild mit einer Belichtungszeit von 60 Sekunden, danach verschiedene Laufzeiten von 60 Sekunden bis hin zu sechs Minuten. Aus Vergleichsgründen haben wir jeweils aufeinanderfolgende 60-Sekunden-Aufnahmen kombiniert. Wie man sieht, stellen selbst in der 100%-Ansicht bis drei Minuten kein Problem dar. Bei vier Minuten werden die Sterne sichtbar eiförmig, ab fünf Minuten erkennt man immer deutlicher die Strichbildung.

Beim zweiten Vergleich haben wir die Polarie mit dem Polsucher möglichst exakt eingenordet. Diesmal stellt M31, die Andromeda-Galaxie, unser Zielobjekt dar. Links wieder das Referenzbild mit 60 Sekunden Belichtungszeit, darauf folgend verschieden Laufzeiten von 60 Sekunden bis zu 25 Minuten (als kombinierte 60-Sekunden-Aufnahmen aus Vergleichsgründen).
Zwar wirken die Sterne in der 100%-Ansicht bereits nach fünf Minuten leicht eiförmig, allerdings kommt es selbst bei längeren Belichtungszeiten zu keiner Strichbildung. Selbst bei 25 Minuten kann die Aufnahme noch problemlos verwendet werden.

Als einen weiteren Modus neben der normalen Nachführung sowie der speziellen Geschwindigkeiten für Sonne und Mond besitzt die Vixen Polarie auch einen Modus für die Landschaftsastrophotographie, der mit der halben Geschwindigkeit abläuft. Dies soll gerade bei Weitwinkelaufnahmen deutlich längere Belichtungszeiten ermöglichen, ohne dass die Sterne oder die Landschaft übermäßig stark beeinträchtigt werden. Um auch in diesem Modus die Grenze aufzuzeigen haben wir eine Landschaftsaufnahme mit Sternenhintergrund bei 45mm Brennweite 30 Sekunden lang belichtet. Links ist das Bild ohne Nachführung, in der Mitte mit der halben Nachführung und rechts mit der normalen siderischen Nachführung. Bedenkt man die Brennweite, Belichtungszeit und die Bildwirkung zeigt sich durchaus ein sinnvoller Nutzen für Landschaftsaufnahmen mit Sternenhimmel. Zu zaubern vermag der Modus aber natürlich nicht.

Der Hersteller nennt eine Laufzeit von zwei Stunden bei 20 Grad Celsius, zwei Kilogramm Zuladung und der Nutzung von Alkali-Mangan-Zellen. Wir haben im Test bei Temperaturen zwischen fünf und zehn Grad Celsius, einer Zuladung von etwa 650 Gramm und Sanyo Eneloop NiMh-Akkus Laufzeiten von mehr als acht Stunden realisieren können.
Angeboten wird die Vixen Polarie nicht nur einzeln, sondern auch speziell für Einsteiger als Set zusammen mit dem Stativ Velbon M-178V und den beiden Kugelköpfen Velbon QHD-43 (zwischen Stativ und Polarie) und Velbon QHD-33 (zwischen Polarie und Kamera). Das Stativ ist ausreichend stabil bei angenehmen Windverhältnissen und kleinen Kameras, kommt aber an die sinnvolle Belastungsgrenze, wenn man das Maximalgewicht der Montierung ausreizt. Es ist somit für all diejenigen zu empfehlen, die bisher gar kein oder lediglich ein besonders günstiges Stativ verwendet haben. Wer hingegen bereits mit einem guten Photostativ ausgerüstet ist sollte sich für das so gesparte Geld lieber einen guten, kompakten und leichten Getriebeneiger für die Montage zwischen Polarie und Kamera kaufen.
Wie bereits zuvor erwähnt ist ein nicht beleuchteter Polsucher als optionales, allerdings nicht besonders günstiges Zubehör erhältlich. Für das Herantasten an das Themengebiet Astrophotographie ist er nicht notwendig, die vollen Möglichkeiten lassen sich aber nur mit einer genauen Einnordung wirklich ausschöpfen.

Die unverbindliche Preisempfehlung für die Vixen Polarie liegt bei 459,00 € einzeln und bei 729,00 € im Set mit dem Stativ sowie den beiden Kugelköpfen. Der Polsucher kostet 239,00 €, der Kompass 59,00 €. Weitere technische Informationen zur Vixen Polarie findet ihr auf der Webseite des Herstellers unter www.vixen-europe.com.

Ob sich die Anschaffung der Vixen Polarie lohnt, lässt sich, wie immer, nicht leicht beantworten. Gerade für Gelegenheitsnutzer ist die preisliche Hürde nicht unerheblich, zumal sich kaum sinnvolle Einsatzmöglichkeiten über die astrophotographische Nutzung mit Photoobjektiven hinaus ergeben. Günstigere oder ähnlich teure Montierungen sind zumindest in dem Punkt flexibler. Abgesehen davon ist sie auf jeden Fall eine sehr fähige Montierung, nicht nur für Einsteiger tauglich, sondern auch für erfahrene Astrophotographen erstaunlich. Größe und Gewicht erlauben eine sehr mobile, fast schon spontane Nutzung. Der Einstieg in die Welt der Astrophotographie ist deutlich einfacher und flexibler als mit klassischen Montierungen möglich, und als Zweit- und Urlaubsgerät ist sie auch auf lange Sicht eine nützliche Ergänzung der eigenen Ausrüstung. Und es ist ein gutes Gefühl, die Polarie im Gepäck zu haben, wenn man mit den Sternen reist.

Die Vixen Polarie mit allem Zubehör wurde für diesen Artikel von Vixen Deutschland zur Verfügung gestellt. Vielen Dank für die Unterstützung!

Artikel teilen:


Artikel kommentieren