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Autor: Sascha Stewen
Veröffentlicht: 25. November 2014

Erfahrungsbericht: Olympus M.Zuiko Digital ED 12-40mm F2.8 PRO

Auffällig unauffällig

Es hat lange gedauert, bis Olympus mit dem M.Zuiko Digital ED 12-40mm 1:2.8 PRO ein lichtstarkes Normalzoom für das Micro-Four-Thirds-System auf den Markt gebracht hat. Gleichzeitig mit dem Objektiv wurde auch eine neue Linie im Portfolio eröffnet, die auf den werbewirksamen Begriff “Pro” hört und demnächst um weitere Zoomobjektive und Festbrennweiten erweitert wird. Nach gut einem Jahr der intensiven Nutzung ist es an der Zeit, einen Erfahrungsbericht zu schreiben.

Das Spiegelreflexsystem Four-Thirds konzipierte Olympus von Anfang an für professionelle Nutzer und startete mit einer robusten Kamera und einer Serie dazu passender Objektive. Aufgrund schwacher Verkaufszahlen und einer geänderten Marktsituation kamen erst später Kameras und Objektive für Hobbyphotographen und Gelegenheitsnutzer hinzu. Beim Start des Micro-Four-Thirds-Systems wollte man diesen Fehler so nicht wiederholen und begann daher mit einer Produktpalette, die sich an den Anforderungen des Massenmarktes orientierte. Gerade unter den ambitionierten Amateuren und auch professionellen Nutzern, die das System für ihre Arbeit entdeckt hatte, wuchs der Wunsch nach einer entsprechenden Objektivserie, die Qualität, Lichtstärke und robuste Bauweise miteinander verband, besonders, nachdem mit Kameras wie der Olympus OM-D E-M5 auch entsprechende Gehäuse zur Verfügung standen. Es dauerte trotzdem anderthalb Jahre seit deren Vorstellung, bis mit dem Olympus M.Zuiko Digital ED 12-40mm 1:2,8 PRO der erste Vertreter der neuen PRO-Linie an Objektiven auf den Markt kam. Gleichzeitig wurde mit dem M.Zuiko Digital ED 40-150mm 1:2,8 PRO ein Anschluss-Telezoom angekündigt, später folgten noch Ankündigungen für ein 7-14mm 1:2,8 Ultraweitwinkelzoom und eine 300mm 1:4 Telefestbrennweite, auch mit dem PRO-Label. Weitere Objektive werden in Zukunft folgen.

Von links nach rechts: Das Olympus M.Zuiko Digital ED 12-40 mm 1:2.8 PRO auf aufgesetzter Streulichtblende, ohne Blende in der kürzesten Länge bei etwa 17 mm Brennweite, in der kürzesten (12 mm) und in der längsten Brennweitenstellung (40 mm)

Bauweise und Anmutung

Das M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 baut Olympus in Form eines selbsttragenden Gehäuse in Kompositbauweise aus Aluminium und Kunststoff, eine kostengünstige und leichte, dabei aber doch robuste Konstruktion, die zudem Platz im Innenraum schafft. Die beiden Einstellräder für die Brennweite und die Fokussierung sind aus Aluminium gefertigt, der bei der Brennweitenverstellung ausfahrende Tubus hingegen komplett aus Kunststoff. Als innenfokussierendes Objektiv ändert sich die Baugröße bei der Verlagerung der Schärfeebene nicht.

Ein Merkmal der neuen PRO-Objektivlinie von Olympus soll die besonders robuste Bauweise sein. Dazu gehört neben der Frostsicherheit auch ein effektiver Schutz gegen Feuchtigkeit in Form von Spritzwasser. Das M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 ist nicht nur mit zehn Dichtringen ausgestattet, die ein Eindringen von Wasser verhindern sollen, sondern auch mit einer speziellen Membrankonstruktion, die einen trockenen Luftaustausch ermöglicht und damit bei jeder Stellung und auch während der Brennweitenveränderung das Schutzniveau beibehält. Gleichwohl gilt es natürlich anzumerken, dass das Objektiv keinesfalls wasserdicht ist, sondern nur einen besonderen Schutz genießt. Wohl wissend, dass auch bei derartigen Objektiven Wasser unter hohem Druck eindringen kann würde ich es weder zum Schnorcheln mitnehmen, noch unter dem Wasserhahn abspülen, sofern es sich vermeiden lässt. Trotzdem hat es in dem einen Jahr der Nutzung bei mir einiges mitgemacht, einige kräftige Regenschauer überstanden, mehrfach salzige Gischt abbekommen und einen Sandsturm überlebt. Während andere Geräte diese Tortur nicht überstanden, funktionierte das Objektiv noch tadellos, wie auch eine Prüfung beim Hersteller bestätigte. Sicherlich kein wissenschaftlicher Vergleich, nichts verallgemeinerbares, aber eben eine persönliche Bestätigung, dass der Vertrauensvorschuss gerechtfertigt war. Das Schutzniveau befindet sich, absolut glaubhaft, auf dem gleichen Niveau wie die alte Top-Pro-Objektivreihe (Super-High-Grade), und übersteigt es sogar im Bereich der Frostsicherheit.

Die Hochwertigkeit der Konstruktion wird in der Hand vor allem über das Gewicht transportiert. Knapp 400 Gramm mit Streulichtblende (die erfreulicherweise zum Lieferumfang gehört), aber ohne Deckel sind an sich für ein gutes, lichtstarkes Normalzoom nicht viel, erscheinen im Micro-Four-Thirds-Kosmos allerdings schon als ein ordentliches Gewicht. Auch eine Länge von 11 und ein Durchmesser von 7,5 Zentimetern, jeweils mit Streulichtblende, sind absolut betrachtet keinesfalls groß, im System aber schon wuchtig. Rein subjektiv passt das Verhältnis, um einen hochwertigen Eindruck zu erzeugen, und auch wenn es im Vergleich zu den lichtstarken Standardzooms für großformatige Spiegelreflexkameras geradezu klein und leicht anfühlt, so eben nicht billig. Dazu tragen auch die beiden zuvor erwähnten Einstellringe bei, denen man das Metall anfühlen kann, die geschmeidig und auch nach einem anstrengenden Jahr noch ohne jede Ermüdungserscheinung ihren Dienst versehen. Die wenigen Stellen freier Oberfläche hingegen wirken aufgrund der Kompositbauweise doch eher wie Kunststoff, an sich nicht schlecht, aber doch ein wenig enttäuschend. Den Gesamteindruck kann das nicht trüben, auch wenn das Objektiv nicht wie ein Panzer wirkt, so weiß man doch sofort, in welcher Klasse man sich befindet.
Interessanter als die Anmutung nach dem Auspacken ist natürlich, wie diese nach einer intensiven Benutzung ausfällt. Noch immer laufen die Einstellräder genauso sanft wie am Anfang, es gibt keine nennenswerten Beschädigungen der Oberfläche. Sand, Salz, Wind und Wetter haben nur an einer einzigen Stelle ihre Spuren hinterlassen: die aufgedruckte Beschriftung an der Unterseite ist, abgesehen von der Seriennummer und dem CE-Hinweis, nicht mehr lesbar. Es gibt schlimmeres.

Ausstattung und Funktionsweise

Das M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 besitzt neben der robusten, abgedichteten Bauweise zwei weitere Ausstattungsmerkmale, den Schnappschuss-Fokus und die L-FN-Taste, die nach Angaben von Olympus zum Standard der PRO-Serie gehören und dementsprechend auch bei den nachfolgenden Objektiven zu finden sein werden.

Oben befindet sich der Schnappschuss-Fokus-Ring in der normalen Aufnahmestellung.
Unten heruntergezogen im Schnappschuss-Fokus-Modus
“Schnappschuss-Fokus”, das ist typischer Olympus-Marketingsprech für einen verschiebbaren Fokusring, der zwischen automatischer und manueller Fokussierung wechseln kann. Bereits seit Four-Thirds-Zeiten besitzen die Zuiko-Objektive zur Scharfstellung keinen mechanischen Einstellring mehr, sondern den sogenannten Focus-by-Wire (Fokussierung per Draht). Dabei wird die Bewegung des Fokusrings in elektrische Signale umgesetzt, die wiederum einen Stellmotor antreiben, der dann die entsprechende Änderung der Schärfenebene bewirkt. Durch dieses Prinzip kann unabhängig von der Antriebstechnik immer in die Fokussierung eingegriffen werden, es wird die Konstruktion der Objektive vereinfacht und es lassen sich unterschiedliche “Untersetzungen” und damit auch jeweils passende Geschwindigkeiten und Genauigkeiten zur schnellen oder präzisen Fokussierung realisieren. Auf der anderen Seite fehlt aber auch die direkte Rückmeldung, eine Entfernungsskala ist komplizierter umzusetzen und es fehlt ein Anschlag, der Ring ist also frei drehbar. Mit dem verstellbaren Fokusring sollen die Vorteile weiter genutzt, die Nachteile aber ausgeräumt werden. In der vorderen Stellung funktioniert dieser Einstellring so wie bisher mit all seinen Vorteilen. Nutzbar ist er dabei, wenn die Kamera auf Autofokus mit manuellem Eingriff oder auf manuellen Fokus gestellt wird. In der hinteren Stellung wechselt die Kamera selbstständig in die manuelle Fokussierung, zudem wird der Fokusring fest mit einer Entfernungsskala gekoppelt. Dadurch kann man nicht nur eine Fokusentfernung vorwählen, es kommen auch zwei Anschläge hinzu. Olympus sieht den Nutzen dieser Lösung vor allem darin, dass man schnell auf eine vorher eingestellte Fokusdistanz wechseln kann. Das funktioniert, weil die einmal gewählte Entfernung in der hinteren Stellung festgelegt bleibt, auch wenn der Ring in der vorderen Stellung bewegt wird. Stellt man beispielsweise in der hinteren Stellung drei Meter ein und schiebt den Ring nach vorn, kann man ganz normal photographieren, ein Zug am Ring aber reicht und der Fokus liegt wieder auf drei Meter. Es geht also um Geschwindigkeit, und weil der Hersteller davon ausgeht, dass diese über alles geht und daher parallel zu der schnellen Fokussierung auch schnell das Bild gestaltet werden soll, wird weder mit dem Zurückziehen noch mit einer anschließenden Bewegung die sonst mögliche Sucherlupe aktiviert. Leider lässt sich diese Einstellung an Olympus-Kameras nicht ändern, so dass dieser Modus, der eben nicht nur in Schnappschusssituationen sinnvoll ist, zumindest verkompliziert wird, da die Sucherlupe manuell hinzugeschaltet werden muss.
Anders stellt sich übrigens die Situation an Panasonic-Kameras dar. Hier wirkt die Umschaltung des Fokusrings wie ein üblicher AF-Schalter am Objektiv und unterscheidet sich damit nicht vom AF/MF-Schalter in der Kamera. Wird der Ring zurückgezogen, wird genauso die Lupe aktiviert, wie wenn an der Kamera die manuelle Fokussierung aktiviert und dann der Ring bewegt wird. Mir persönlich ist diese Variante lieber, da ich bei meiner Photographierweise nur selten in Schnappschussituationen mit manueller Fokussierung gerate, dafür aber umso häufiger beim gezielten Arbeiten mit dem manuellen Fokus einen kurzen Schnappschuss mit Autofokus zwischendurch mache. Schade, dass die Hersteller hier den Photographen nicht die Freiheit lassen, den bevorzugten Ablauf festlegen zu können.
Die L-FN-Taste ist eine einfache Funktionstaste, die in der Standardkonfiguration als AF-Stop-Taste funktioniert. Bei einer aktivierten kontinuierlichen Fokussierung kann damit die Fokussierung fixiert werden, beispielsweise wenn das Motiv über einen längeren Zeitraum verdeckt ist und man ein Hin- und Her-Pumpen des Autofokus verhindern möchte. Ebenso kann ohne Umschaltung des Fokusmodus eine einmal getätigte Fokussierung über mehrere Aufnahmen gehalten werden, auch wenn man zwischendurch den Auslöser loslässt. In dieser Konfiguration funktioniert die Taste an jeder Micro-Four-Thirds-Kamera, darüber hinaus kann sie an neueren Olympus-Modellen (ab E-M5, E-PL5, E-PM2) auch mit verschiedenen anderen Funktionen belegt werden, etwa als Abblendtaste oder zur ISO-Verstellung.

Auch wenn für mich der Reiz groß ist, durch diese Taste eine weitere direkte Einstellmöglichkeit hinzu zu gewinnen, so stellt sich in der Praxis doch Ernüchterung ein. Da die individuelle Belegung nur an einem Teil meiner Kameras funktioniert und gleichzeitig das M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 zur Zeit mein einziges Objektiv mit einer L-FN-Taste ist, ergeben sich durch eine individuelle Belegung keine Vorteile. Die Bedienung wird im Gegenteil noch verkompliziert. Eine AF-Stop-Taste brauche ich bei meiner Art der Photographie auch selten bis gar nicht, so dass auch dieser Nutzen mir nicht weiterhilft. Dafür fällt es kaum ins Gewicht, dass die Taste bei meiner Handhaltung auch eher ungünstig liegt und daher eh schwer zu erreichen ist. Trotzdem würde ich mir eine breitere Unterstützung der Funktionen und eine weitere Verbreitung dieser Taste wünschen, schon allein, weil beides in Kombination irgendwann dann vielleicht doch nützlich wird, wenn ein Großteil der Objektive entsprechend ausgestattet ist. Immerhin nutzt sie sich bis dahin zumindest nicht ab.
Zum Lieferumfang des M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 gehört auch eine Streulichtblende, was ich extra erwähne, da dass leider inzwischen bei Olympus untypisch geworden ist. Anstatt auf ein einfaches Bajonett mit Widerstand zu setzen, wie dies bei vielen anderen Objektiven der Fall ist, nutzt Olympus ein Bajonett mit einem Schnappverschluss, der über zwei Tasten entriegelt wird. Dabei müssen aber nicht beide Tasten gleichzeitig gedrückt werden, sondern je nach Montage der Blende (in Arbeits- oder Transportstellung) die eine oder die andere einzeln. Dementsprechend leicht entriegelt sich die Streulichtblende selbst, beispielsweise in einer eng sitzenden Tasche. Da sie darüber hinaus recht locker sitzt, also das Bajonett selbst keinen Widerstand ausübt, ist das Verlustrisiko durchaus gegeben. In der Praxis ist es mir Anfangs nie passiert, dass sich die Blende verabschiedet hat. Grund dafür lag im recht großen Fach der Schultertasche und der Stellung der Kamera-Objektiv-Kombination darin. In der enger sitzenden Holstertasche hingegen hat sie sich nun schon mehrmals gelöst. So edel die Blende auch wirkt, mit ihrem unteren Metallring und dem aufgesetzten Kunststoff, so wenig praxisnah ist sie für mich. Eine stramm sitzende, klassische Variante, oder die Bedienung über zwei Knöpfe, oder zumindest etwas mehr Widerstand beim Drehen hätte ich der Anmutung dann doch vorgezogen und am liebsten natürlich alles in Kombination gehabt, denn das eine schließt das andere ja nicht aus.

Beim Filtergewinde macht Olympus leider wieder den gleichen Unsinn wie in den vergangenen Jahren und führt mit 62 mm einen Durchmesser ein, der nicht zum Rest des Sortiments und auch nicht zum kommenden M.Zuiko 40-150mm 1:2,8 passt. Auch wenn dies für die meisten Kunden vermutlich kein Problem darstellen wird, mich stört es, weil ich eben noch immer gern Grau- und Polfilter im Landschaftsbereich nutze (Grauverlaufsfilter auch, aber die sind aufgrund des Filterhalters mit Adapter kein Problem). Entweder darf ich mir also wieder einen kompletten Satz für jedes Objektiv anschaffen und mitnehmen, oder eben mit Adapterringen hantieren, die wiederum nicht kompatibel zur Streulichtblende sind. Dafür funktioniert ein normaler Adapter auf 67 mm ohne jegliche Abschattungen.
Wenn man direkt auf 62 mm Filter setzt, so kann es auch da ein Problem geben. Die konvex geformte Frontlinse des M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 ragt bis in das Filtergewinde hinein, und bei den flach bauenden Slimfiltern kann es so unter Umständen zu einem Kontakt zwischen Glas und Glas kommen. Nicht nur unschön, sondern auch bedenklich. Bei normalhohen Filtern hingegen habe ich bisher kein Problem feststellen können, und auch zu einer Randabschattung kommt es nicht, von daher würde ich bei einer Neuanschaffung direkt dazu greifen.

Geschwindigkeit und Lautstärke

Früher konnte man auch ohne bis auf die tausendstel Sekunde genaue Messungen sagen, ob ein Objektiv langsam, gut brauchbar oder schnell war. Die Unterschiede waren extrem, selbst bei gutem Licht, wobei eh meist nur solches überhaupt für einen Vergleich herangezogen wurde. Warum auch unnötigen Aufwand betreiben, wenn das wesentliche mit einfachsten Methoden greifbar war? Heute ist das anders, nicht nur, dass die Geschwindigkeit in allen Licht- und Lebenslagen getestet wird, auch die Ansprüche haben sich enorm gesteigert. Parallel dazu ist das Leistungsniveau insgesamt deutlich gestiegen. Von wenigen gemütlichen Ausnahmen abgesehen, gibt es bei Micro-Four-Thirds eigentlich nur schnelle, richtig schnelle, und “so richtig richtig” schnelle Objektive. Das M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 ist ein “so richtig richtig” schnelles Objektiv, bei gutem Licht und herstellerunabhängig, also an einem aktuellen Gehäuse von Olympus genauso wie an einem von Panasonic. Bei schlechtem Licht reduziert sich natürlich die Geschwindigkeit, was nicht am Objektiv selbst liegt, sondern an den Analysefähigkeiten der Kamera. Trotzdem bleibt das Objektiv auch dann schnell, und mit jeder neuen Kamerageneration wird es etwas schneller. Wie schnell es nun genau ist? Ich sagte es bereits, richtig richtig schnell. Ende.

Der Grund für diese Leistungsfähigkeit liegt in dem Antriebssystem des Objektivs. Zum ersten Mal setzt Olympus einen echten Linearmotor (Wanderfeldmaschine) konstruktiv als Direktantrieb ein, verzichtet also auf das sonst übliche Getriebe. Zusammen mit der besonders optimierten Fokusgruppe kann so eine hohe Geschwindigkeit bei einer nur geringen Geräuschentwicklung erzielt werden. Ganz lautlos ist der Antrieb dabei aber nicht, mit spitzem Ohr in stiller Umgebung kann man in der kurzen Phase der Fokussierung ein leichtes Rauschen erlauschen. “Hören” kann man es erst, wenn man die kontinuierliche Fokussierung aktiviert, was allerdings nicht an einem Ansteigen der Lautstärke liegt, sondern an der zwangsläufig längeren Dauer des Geräusches. Eine weitere Folge des Antriebsprinzips ist es, dass die Fokusgruppe ohne das regelnde Magnetfeld in ihrer Führung frei beweglich ist. Dies lässt sich leicht beobachten, wenn man das Objektiv von der Kamera trennt, von hinten hinein schaut und es dabei leicht hin und her kippt. Angst um eine Beschädigung braucht man dabei nicht haben, die Anschläge sind gut gedämpft.
Als eine weitere leise Geräuschquelle kann man die Blende ausmachen. Im Ruhezustand ist diese fast vollständig geschlossen und wird erst mit dem aktivieren der Kamera maximal geöffnet. Das ist mit einem leichten Klack zu hören. Ähnlich verhält es sich auch bei der Aufnahme, wenn entsprechend eine kleinere Blende eingestellt wurde, allerdings wird dieses Geräusch durch den ablaufenden mechanischen Verschluss übertönt. Bei eingestelltem elektronischen Verschluss hingegen kann man es hören - wenn man in ruhiger Umgebung genau darauf achtet.

Randwissen: Was bedeutet Parfokalität?

Parfokalität bedeutet, dass ein Zoomobjektiv bei der Verstellung der Brennweite die Fokuseinstellung nicht verändert und somit die Fokusebene erhalten bleibt. Dadurch wird es möglich, zunächst die Schärfe einzustellen und anschließend den Bildausschnitt zu bestimmen. Früher nutzte man dies im Rahmen der normalen Photographie gern, da man bei der Fokussierung mit der längsten Brennweite die höchste Genauigkeit erzielen und erst anschließend den Bildausschnitt bestimmen konnte. Heute ist dies aufgrund der Möglichkeit, mit der Bildschirmlupe extrem fein fokussieren zu können, nicht mehr notwendig. Mindestens ebenso wichtig war die Parfokalität bei bewegten Bildern, da bei wandernder Schärfeebene nur mit sehr viel Übung, Aufwand und der Gefahr, Ausschuss zu produzieren, eine saubere Zoomfahrt möglich war. Die speziell für den Filmbereich entwickelten Cineobjektive sind daher in aller Regel parfokal ausgelegt.

Parfokal?

Bei jedem Zoomobjektiv stellt sich die Frage, ob es parfokal konstruiert ist. Das gilt natürlich auch für das M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8. Da Olympus allerdings dem Videobereich bisher keine besondere Aufmerksamkeit schenkt und die Technik für die normale Photographie heute weitgehend unnötig geworden ist (die Erklärung dafür liefert der Seitenkasten), verzichtete man bei der Entwicklung des Objektivs auf eine anspruchsvolle parfokale Konstruktion, es ist also rein optisch nicht parfokal ausgelegt.
Bis zu einem gewissen Grad besteht allerdings eine elektronische Parfokalität. Das Objektiv versucht im Zusammenspiel mit der Kamera die Schärfeebene auch bei der Veränderung der Brennweite beizubehalten und erzeugt dabei jenes schwache, surrende Geräusch bei der Brennweitenverstellung, dass nur bei eingeschalteter Kamera zu hören ist. Diese Veränderung der Schärfeebene während des Zoomens ist notwendig, damit die zuvor erwähnte Schnappschuss-Fokussierung überhaupt funktionieren kann, denn die Entfernungsskala passt sich der mit der Brennweite wandernden Fokussierung nicht an, so dass sich zwangsläufig die Fokussierung der Entfernungsskala anpassen muss. Das System ist dabei allerdings recht einfach mit nur wenigen Verstellschritten ausgelegt. Auf weite Distanzen reicht das in der Regel aus, und auch für die normale Videoaufnahme passt es, im Nahbereich oder bei besonders hohen Ansprüchen an eine genau platzierte Schärfeebene offenbaren sich aber die Schwächen des Systems. Wie der Schnappschuss-Fokus auch, geht es Olympus offensichtlich in erster Linie um Geschwindigkeit, und während die Funktion für den schnellen Schuss passt, nutze ich bei gezielten Aufnahmen dann doch lieber die genaue und deutlich präzisere manuelle Fokussierung per Bildschirmlupe, nachdem die Brennweite passend gewählt wurde.

Ob in Zukunft eine Verbesserung der Funktion möglich ist, hängt vom Willen des Herstellers ab. Rein prinzipiell lässt sich auf dem elektronischen Wege durchaus eine “absolute Parfokalität” herstellen, besonders, da die Schrittweiten des Fokusantriebs so gering sind, dass es zu keinen sehenswerten Stufeneffekten kommen muss. Die Verstellkurven sind nach Angaben des Herstellers allerdings im Objektiv hinterlegt und müssten entsprechend aktualisiert werden. Genug Speicherplatz dafür ist vorhanden.

Optische Leistungen

Im photographischen Alltag bevorzuge ich, aufgrund der höheren Flexibilität, meist Zoomobjektive vor Festbrennweiten, nehme dabei die in der Regel geringere Lichtstärke in Kauf, will aber auf die Abbildungsqualität nicht verzichten. Dieses Dilemma hat mich vor einigen Jahren bereits zum Four-Thirds-System geführt, und die dort erarbeitete sehr gute Reputation von Olympus weckte natürlich auch entsprechend hohe Erwartungen an das erste hochwertige Micro-Four-Thirds-Zoomobjektiv des Herstellers. Vorweg, enttäuscht wurde ich nicht.
Wie bei Micro-Four-Thirds üblich, nutzt Olympus auch beim M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 eine elektronische Korrektur der Verzeichnung und kann sich so besser auf die optische Korrektur der anderen Bildfehler konzentrieren, gleichzeitig aber auch das Objektiv kompakter und günstiger konstruieren. Unter Puristen gilt dies als verpönt (ja, ein kleines bisschen kann ich das auch Nachvollziehen), was es aber beim M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 bewirkt ist fantastisch.
Über den gesamten Brennweitenbereich hinweg liefert das Objektiv bereits bei offener Blende eine sehr hohe Auflösung im Zentrum und erstaunlich gute Werte am Rand und in den Ecken, sowohl bei größeren Fokusentfernungen als auch im Nahbereich. Die Verzeichnung tendiert dabei weitgehend gegen Null, nur am kurzen Ende wird sie spürbar. Vom dedizierten Architekturphotographen abgesehen, und der verwendet in der Regel eh eine andere Kamera-Objektiv-Kombination, spielt sie in der Praxis keine Rolle. Um bei Auflösung und Verzeichnung eine Schwäche zu finden, muss ich schon sehr genau suchen, und selbst dann kann ich mit dem was man findet gut leben. Und das trotz der elektronischen Korrektur.

Interessant wird es natürlich, wenn man diese in einem RAW-Konverter mit entsprechender Funktionalität abschaltet oder seinen Bedürfnissen entsprechend anpasst. Während natürlich die Verzeichnung gerade im Weitwinkelbereich deutlich ansteigt, steigt entsprechend auch die Auflösung am Rand und in den Ecken an und erreicht dabei Werte, die ich als extrem gut bezeichnen würde. Hier zeigt sich die wahre Qualität und ein gutes Stück Zukunftstauglichkeit, denn die durch die elektronischen Korrektur gesetzten Grenzen werden bei den dort schlummernden Reserven mit den höheren Auflösungen neuer Kameramodelle verschoben werden. Ich bin schon jetzt gespannt.
Bei den chromatischen Aberrationen zeigt das M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 zwar kein ebenso herausragendes, aber insgesamt ein gutes Ergebnis. Im Weitwinkelbereich braucht es schon ziemlich harte Kontrastkanten, um überhaupt Farbsäume zu erzeugen, während diese im Telebereich eher auftreten. Auch dort sind sie jedoch eher unscheinbar, selbst am Bildrand. Durch die geringe Breite lassen sie sich zudem leicht entfernen, ohne die Qualität großartig zu beeinträchtigen. Gemeint ist jeweils der Farbquerfehler, Farblängsfehler konnte ich im Rahmen meiner normalen Photopraxis keinen entdecken.
Deutlicher zu sehen ist die Vignettierung im Weitwinkelbereich bei offener Blende, in abgeschwächter aber trotzdem bei vielen Motiven noch wahrnehmbarer Stärke bei kleineren Blenden und größeren Brennweiten. Auch wenn ich sie nicht als übermäßig störend empfinde – manchen Bildern gibt sie sogar das gewisse Etwas – so hätte ich mir hier eine bessere Konstruktion gewünscht. Auch wenn diese dann notgedrungen einen etwas größeren Objektivdurchmesser aufweist.

Die Aufnahmen entstanden mit gleichen Einstellungen in kurzer Abfolge
Mit Reflexionen hat das M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 kaum Probleme. Wenn sich die Lichtquelle im Bild befindet, so sind bei ausreichender Stärke leichte Linsenreflexionen zu erkennen, die aber kaum einen störenden Einfluss auf das Bild haben. Zumal ich bei direktem und starkem Gegenlicht zwangsläufig die Blende etwas schließen muss und so auch die letzten Reflexe nahezu verschwinden. Bei außerhalb des Bildes platzierten Lichtern gibt es weitgehend kein Problem, in den seltenen Ausnahmen reicht eine leichte Veränderung des Winkels aus.
Aus meiner Sicht ist allerdings erwähnenswert, dass die Oberfläche des Sensors ebenfalls zu Reflexionen führen kann, die zwar keine direkte Eigenschaft des Objektivs sind (das Verhalten ist bei allen von mir regelmäßig genutzten Objektiven ähnlich), unter Umständen aber trotzdem Einfluss auf die Bildqualität nehmen können. Diese Reflexionen sind vor der Aufnahme im Sucher beziehungsweise auf dem Display zu erkennen, verschwinden aber bei der Aufnahme, wenn die Verschlusszeit kurz genug ausfällt, um eine Abschattung des Sensors durch den mechansichen Verschluss zu bewirken. Durch das gute Reflexionsverhalten des M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 braucht es schon eine sehr starke und richtig platzierte Lichtquelle, die in meiner Praxis meist auch zu entsprechend kurzen Verschlusszeiten führt, so dass diese Spiegelungen auf dem Sensor kein Problem darstellen. Anders sieht es allerdings aus, wenn man einen elektronischen Verschluss verwendet, der Sensor also auch bei kurzen Verschlusszeiten komplett offen liegt. Auf diese Weise finden die Reflexionen dann auch ins Bild, in den meisten Fällen nicht störend, in seltenen Fällen aber durchaus sehr auffällig, immer allerdings bereits vor der Aufnahme sicht- und daher auch behebbar.
Auch in der Nacht und vielen kleinen Lichtern im Bild zeigt sich das Objektiv weitgehend souverän. Lediglich am längeren Ende und bei offener Blende sorgt eine ausgeprägtere Koma für unschöne Schweife an Spitzlichtern. Gerade in der Astrophotographie, bei der in der Regel die maximale Öffnung genutzt wird, fällt das negativ auf. Bei den typischen Stadtaufnahmen in der Abenddämmerung oder im Dunkeln kann ich hingegen leicht etwas abblenden, was zu einer deutlichen Verbesserung führt. Am kurzen Ende treten die Probleme gar nicht auf, so dass die Situation insgesamt für mich akzeptabel ist.

Das Bokeh des M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 lädt weder durch eine besondere Cremigkeit oder Sanftheit bei den Farbverläufen zum gedanklichen Umherschweifen durch Traumlandschaften ein, noch schmeißt es einen durch garstige Kontraste und rastlose Unruhe in einen Strudel der kreativen Verdammnis. Ohne Schlagworte heißt dies, dass das Bokeh insgesamt unscheinbar ist. Und das ist für ein lichtstarkes Normalzoom nichts schlechtes. Das M.Zuiko 12-40 liefert im Nahbereich ein gutes, im Fernbereich ein solides Bokeh und damit wenig Angriffsfläche. Es ist für mich so gut nutzbar, wie ein hochflexibles Zoomobjektiv eben nutzbar sein soll, ohne an irgendeiner Stelle zu enttäuschen oder besonders zu überzeugen. Im Gegenteil liegt es nicht am Objektiv, sondern eher an “verrückten Ideen” bei der Bildgestaltung, wenn sich die Qualität der Hintergrundunschärfe mal in die Extrembereiche bewegt und sich so dem Betrachter positiv oder negativ aufdrängt.

Eine Besonderheit des M.Zuiko 12-40 mm ƒ/2,8 liegt in der geringen Naheinstellgrenze. Der Hersteller gibt diese mit 20 Zentimetern an, was zu einem maximalen Abbildungsmaßstab (in der Telestellung) von 1:3 führt. Damit erschließen sich zwar noch nicht jene Welten, die klassische Makroobjektive öffnen, aber doch ein Nahbereich, der mir für meine Photographie meist ausreicht. Und wenn es doch mal noch extremer sein soll, dann ist auch das möglich. Denn die vom Hersteller angegebene Naheinstellgrenze ist nur jene, bis zur der die optimierte Bildqualität gewährleistet werden kann. Fokussieren kann man aber auch noch darüber hinaus, sowohl mit dem Autofokus als auch mit den beiden manuellen Fokusmethoden (per Schnappschuss-Fokus-Ring oder per Umschaltung an der Kamera), allerdings führt die in dem Bereich stärker ausgeprägte Bildfeldwölbung zu einem deutlichen Qualitätsverlust an den Bildrändern und -ecken. Für mittige Motive hingegen ergeben sich keine Nachteile. Etwas irritierend ist allerdings, dass die absolute Untergrenze von der Brennweite und der gewählten Fokusmethode abhängt. Wer gezielt bis an diese heran will, der muss also die Werte im Hinterkopf behalten. Mir hat im Einsatz ein pragmatischerer Ansatz immer ausgereicht, auch wenn ich so ein paar Millimeter verloren habe.

Brennweite Fokusmethode Naheinstellgrenze Freier Arbeitsabstand Bildfeld Vergrößerung Abbildungsmaßstab
12 mm Autofokus 15,5 cm 5,0 cm 104 x 78 mm 0,167 fach 1:6,0
Manueller Fokus
per Schnappschuss-Fokus-Ring
17,5 cm 7,0 cm 139 x 104 mm 0,125 fach 1:8,0
Manueller Fokus
per Kameraumschaltung
15,5 cm 5,0 cm 104 x 78 mm 0,167 fach 1:6,0
40 mm Autofokus 18,5 cm 5,5 cm 52 x 39 mm 0,34 fach 1:3,0
Manueller Fokus
per Schnappschuss-Fokus-Ring
17,5 cm 4,5 cm 48 x 36 mm 0,36 mm 1:2,8
Manueller Fokus
per Kameraumschaltung
18,5 cm 5,5 cm 52 x 39 mm 0,34 fach 1:3,0

Fazit

Das Olympus M.Zuiko Digital ED 12-40mm 1:2.8 PRO hat mich nun über ein Jahr lang rund um die Welt begleitet, durch klirrende Kälte und glühende Hitze, vom Hochgebirge bis zur Küste, durch Sand, Regen und Gischt. Nicht nur, dass es kaum äußere Anzeichen der Strapazen zeigt, der es ausgesetzt war, es funktionierte auch immer zuverlässig und lieferte dabei eine Qualität, die mich immer wieder beeindruckt. Natürlich gibt es kleinere Nachteile, Punkte, deren Umsetzung ich mir anders vorgestellt habe. Aber in der Summe gab es keine eklatante Schwäche, weder von der Konstruktion her noch bei der Bildqualität, die am Ende heraus kommt. Ich kann den ganzen Brennweitenbereich nutzen, ich kann den ganzen Blendenbereich nutzen (bis hin zu jener “absoluten” Grenze der Beugung), ich kann recht frei die Perspektive wählen und damit am Ende die Bilder machen, die ich machen möchte, und nicht jene, die ich machen muss, weil die Technik mich einschränkt. Da schreibt man einen ellenlangen Erfahrungsbericht, und am Ende ist dann doch alles mit diesem einen Satz gesagt…

Hinweis

Alle hier gemachten Erfahrungen und Werte wurden mit der Olympus OM-D E-M5 und der Panasonic Lumix DMC-G6 ermittelt und untereinander verglichen. Wenn sich die Nutzung oder die Ergebnisse zwischen den beiden Modellen unterschieden, so wurde dies im Text kenntlich gemacht.

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